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Archive for Juli 2010

mzungu na wafrika

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in cuba gibts die jasminduftenden mariposa nur in weiss - ich hätte mein parun gefunden,,,

flangipani – in cuba gibts die jasminduftenden baumblumen nur in weiss.. hier beide, und die wärmer duftende rosa-variante wäre punkt-genau mein parfüm!!!

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illegal…

lass dich nicht von der polizei mit dem messband erwischen - die schöne grösse ist ausschliesslich für den export bestimmt!

lass dich ja nicht von der polizei mit dem messband erwischen. alles was 1cm drüber misst, ist ausschliesslich für den ausländischen export bestimmt und sicher nicht für die eigene bevölkerung :-((. und dieses pic…auch  (offizielle) illegal aufgenommen – was die existenz, den ort und die grösse anbelangt!

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marabuts…

und wîe die um eine fischhaut fighten können...mir käme sie wieder hoch...

iiihhh, und wie die sich um körpergrosse fischhäute streiten können – mir käme das ganze bestimmt wieder hoch…

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subiri ki dogo, warte ein kurzer moment – marys mam is calling…

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haus, kind, vieh, aussicht...was willst du mehr...

haus&hof, kind&vieh, sonne&aussicht – was willst du mehr?

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addected…

süchtig nach dem geräuchterten fisch…

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treibend…

...und natürlich habe ich ein wertvolles stück statt um-, rausgehievt...

treibend: schweiss- und lachtränen… und natürlich hieve ich ein wertvolles stück traditionellen maisbrei statt um- hinaus…

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einladungen

Einladungen. Endlich gibt uns Mister Tito für Montagmorgen Termin bei ihm in City-Councilbüro einen Termin. Endlich, wir bekommen unseren Schlüssel für das Touristen-Info-Center handovered. Mister Tito sei nun mal der Einzige, der nach standesgemässem Protokoll den Schlüssel offiziell übergeben dürfe. Mister Tito lässt sich aber leider gerne verleugnen, er sei gerade nicht anwesend oder äusserst beschäftigt mit „wichtigeren Dingen“. Jedes Mal muss sein Assistent Erick mit klirrendem Riesenbund in die Stadt runter kommen, aufschliessen und sicher stellen, dass er diesen auch persönlich zurückgehändigt zu bekommen. Einmal textete ich Mister Tito, um ein Rendevous anzufragen. „Jederzeit“ war die umgehende Antwort. Auf meinen postwendenden Vorschlag „gleich jetzt“, blieb es stumm. Extra so anberaumt, hat auch unsere samstägliche Sehr-Frühmorgensitzung vor Ort nichts genützt, er kam nicht selber. Wieder musste Erick der arme Kerl, von Bwiru-ausserhalb eine Busstunde heranreisen. Also aber Heute, endlich ist es soweit!

Beim Eingang Stadtgebäude werden Mary, Jadida und ich energisch zurückgewiesen: Der Eintrag draussen in das Gästebuch haben wir (absichtlich) übergangen – aber dieser Türsteher ist neu. Aber natürlich, wenn es weiter nichts ist. Doch diese Menschenschlange; wir müssen uns fügen. Und wie es so typisch für Zufälle ist, steht auch Madaraka in der Linie. Mit ihm hatte ich ein noch undefiniertes Treffen für heute abgemacht. Er trägt meine Papiere mit sich, um endlich meine Permission zu bekommen – in Dar hat es doch nicht geklappt, es hätte Wochen gedauert. Heute probiert er es hier. Ich fröne also dem „illegalen“ Status noch etwas.

Durchgefragt stehen wir vor unserem langersehnten Ofisi. Endlich, hier sind wir also. Im Büro, mich trifft jedoch der Schlag: Mister Tito sei auf Reise! Diese Afrikaner manchmal! Tief durchatmen und smilend bleiben. Wir erläutern dem Vorgesetzten unser Anliegen – „Prob-leme“ gibt es ja nicht. Dieser ruft von seinem Mobile aus Tito an. Es wird abgehebt. Und… und Mister Tito erklärt tatsächlich ganz unverfroren, dass der heutige Termin ein Missverständnis unsererseits sei! Und sowieso-so-nebenbei mault er auch, dass wir nie den ganzen Gebäudeteil fürs TIO zugesprochen bekommen hätten!! Oh Andrea, schön ruhig bleiben. Ich war dabei, als er uns die ganze Halle bestätigte! Eva und ich luden ihn als Dank in das exklusive Malaika ein! Bin ich sauer. Ich weiss, der Raum ist demnach nicht vollständig geräumt. Wahrscheinlich wurde kein anderer Platz für das restliche Material gefunden oder nicht gefunden werden. Jetzt dreht man uns die Zusage ab! Ich koche! Erick begleitet uns – schulterzuckend entschuldigend.

Aufschliessen. Eisentor aufmachen. Nochmals Schlüssel drehen. Holztüre öffnen…

Ich habs gewusst! Da steht sogar noch neues Material drinnen – Sofas und anderen Gerümpel! Jetzt reichts!! Wir organisieren ad-hoc einen Handwerker und Material. Wir lassen alles auf „deren“ Seite hieven und eine provisorische Mauer errichten. Rahim muss her, wir brauchen Zeugen. Beim Ankommen darf er als mein „Abladeopfer“ herhalten; gut ist er so breit gebaut… Es sind doch alle ganz schön erstaunt, dass auch ich mal ausflippen kann.

Lottosechser: Fundi Rass erweist sich als Goldstück – einfach nur wow. So exaktes Arbeiten mit so tollen Ideen und Vorschlägen. In keinen sieben Tagen werden die Vogel- und andere Kleinwesen-Nester entsorgt, der sechs Meter hohe Raum mittels Feuerwehrschlauch sau-bergespritzt (hat das Spass gemacht!), Elektrisches installiert, Wände ausgebessert, der Boden aufgespitzt und neu betoniert und eine stabile Plastikmauer fallsicher gebastelt. Und weil wir nicht ganz dumm sind, war meine allersterste Aktion: Neue Schlösser organisieren – sollen die mit ihren eigenen Schlüsseln versauern. All das Material in ihrem Teil werden die bestimmt nicht durch deren schmale Hintertüre rausbugsieren können. So kann es gehen!

Für mich interessant sind all die handwerklichen Arbeiten zu verfolgen. Es gibt keine Ma-schinen oder Hilfsmittel für etwelche Arbeitserleichterungen. Teils Materialien sind ulkig. Beispielsweise „Schraube mit Mutter“: Man zerschneide eine alte Kartonschachtel in Un-mengen von Viereckchen, lege je einen Sodadeckel zähnchenseitig drauf (egal ob Fanta, Coke oder was-auch-immer) und nagle diese an das Corpus Delicti. Wirklich alles ist pure Handarbeit. Auch das undendliche Bodenaufspitzen mit Pickel und Hammer… Unser (zeit-weise mein alleiniges und ganztagesweise) Supervising vergeht so mit Rumsitzen und Be-obachten recht schnell. Zwischendurch spendiere ich den Krampfenden eine Runde Soda oder Biskuti. Ich lache über Rass ernsthafte Bestimmheit: Er verkündet mir und allen anderen immer wieder auf Suaheli, dass er mich heiraten wird. Ich weiss nicht, ob er den Ehering nach dem ersten Tag meinet- oder der arbeitwegen abgezogen hat. Jedesmal wenn ich auftauche, hält er kurz inne und meint sachlich „Upo? Safi.“, sinngemäss: Du bist da, das ist gut.

Eine spontane Kurzsitzung für und mit den anderen Task-Force-Membern. Anfänglich sitzen wir zwischen den Trümmern und husten durch den Baustaub hindurch. Dann packt es uns enthusiastisch und vor unseren Augen entsteht das Touristen Info Center. Beim zweiten Treffen können wir uns schon mit geliehenen Stühlen der Ghandi-Hall im Kreis unterhalten. Meine Oblichtfensteridee und die Arten der Innendekorationen finden Anklang, schön. Die Innen- und Aussenfarbe kriegen wir gesponsert (welches Weiss willst du, Andrea?) und auch für den Coffee- und Internetcorner haben wir Zusagen von Pepsi und Vodacom! Gefallen tut mir natürlich auch, dass ich fürs MTIO die Hauptüre kreiieren darf – ungebeten von mir, das war scheinbar für alle klar. Die Holztüre soll „Zanzibar“-style schnitzverziert sein. Wir haben als Donation eine zerschlissene Sofagarnitur erhalten; so nehme ich die geschnitzten Rücken-, Arm- und Fusslehnen als Mustervorlage. Mein Logovorschlag findet ebenso bei allen Anklang, keine Frage, es werden gar keine weiteren Vorschläge erwartet und bei anderen erfragt– cool!!

In Kiseke ist Gertrud auch voll erfolgreich. An einem Tag hat sie die dreissig gebrachten Stücke geräucherten Fisch innerhalb von vier Stunden verkauft! Toll, die Nachfrage ist also da. Und als wir mal auf Tour sind und Shem eine Tagesanstellung hat, kauft sie zwischenzeitlich Zuckerrohr zum Anbieten. So rührt mich die Bestätigung sehr, dass sie nicht einfach rumsitzt und wartet, sondern aktiv mitdenkt und agiert. Und wirklich, so macht es doch Spass, mit nur investierten 40‘000 Ths (35.- ) einer Familie ein Einkommen ermöglicht zu haben!

Leider sind gerade durch die anfallenden Ofisi-Arbeiten in der Stadt keine Abende bei Gertrud möglich. Tom braucht angeblich ganz schön Überzeugungskraft, dass sie dies akzeptiert und nicht als abgelehnte Einladungen meinerseits ansieht. Die eine Invitation für im August darf ich aber nicht verpassen. Es soll in Gertruds Village gehen, ein paar Langstreckenbusstunden von hier. Sie will eine Ziege für mich opfern. Zwischenzeitlich hab ich einen weiteren Rieseneimer voll Reis gekriegt.

Eines Nachmittags auf dem Baustellenareal überkommt mich ein komisches Gefühl: Zuhause da stimmt was nicht. Jadidas (heimlicher) Freund wird nachkommen, so lasse ich sie alleine mit den Handwerkern. Und dann, wer kann das erklären: Anstelle mit dem Daladala bis nach Kiseke zu fahren, steige ich beim Sabasaba aus und biege in eine kleine Strasse ein. Hier erwähnte Tom mal beim Vorbeifahren, dass man zu einem hübschen Strand gelangt. Beim Richtung-See-Schlendern schaue ich abwesend in den Hof eines Gasthauses hinein. Was, da sitzt er doch, oder nicht, was macht der denn hier? Tom trinkt ein Sprudelwasser im Hinterhof. Oha, der schiebt eine Krise, in der Tasche hat er ein Busticket nach Nairobi! Drei Gründe sind es. Das enorme Heimweh ist einfach zu verstehen. Der zweite und dritte Grund widersprechen sich etwas. Der eine tut etwas weh, der andere ist wiederum ein kleines Kompliment. Tom hat sich stark der Gefühle seiner Exfreundin erinnert und weiss nun nicht so recht, ob er mich wirklich gerne hat oder noch an Altem nagt. Dann wiederum will er nicht daran denken, dass ich eines Tages weggehen werde. Um diesem Schmerz zu entkommen, sagt ihm sein Kopf, will er lieber jetzt schon leiden und mich verlassen. Ob diese Gedanken bei seiner gestrigen Sauftour oder während der Nacht auf dem Wohnzimmerboden schlafend entstanden sind? Egal. Doch so einfach kommst du mir nicht davon. Wenn du gehen willst, ich stehe deiner Zukunft nicht im Weg, aber verabschiede dich wenigstens anständig. Seelenruhig diskutieren wir, und diskutieren und diskutieren, respektvoll von der Majani-Beach-Crew und den Restaurantgästen in Ruhe gelassen. Später fangen wir mit ihnen an zu lavern und das dunkle Bier schmeckt mir immer besser. Einen Lachanfall kann ich nicht mehr stoppen, Tom erzählt mir: „Ooh Andrea! Diesen Mittag wollte ich meinen Kopf ausschalten. Der war am explodieren, das Denken hörte einfach nicht auf. Ich habe aus deinem Koffer Tabletten genommen.“ Ja was für welche denn? „So weisse Runde, glaub“. Wieviele? „Alle. Alle die da waren. Etwa fünfzehn Stück, glaub.“. Aaayyaaa! Ich vermute, Aspirins und diejenigen, welche unangenehmen Stuhlgang regulieren – da warte ich mal gespannt, was mit ihm passieren wird. Auf jeden Fall kann die Nacht nicht mehr tiefer werden, eher wieder verschwinden, und wir nehmen die Einladung an, hier im Majani zu übernachten. Das Zimmer und die Ausstattung sind einfachst und teils renovationsbedürftig, doch sehr sauber. Für das Morgenbad in der Gemeinschaftsdusche werden uns frische Seifen, neue Zahnbürsten und flauschige Grossfrottées organisiert. Auch die frische Frühstückssuppe und die warmen Chapatis schmecken ausgezeichnet. Das Majani-Beach, eine weitere kleine nette Familie. So wird es später Nachmittag am Sonntag, bis ich, beziehungsweise wir nach Hause gehen. Tom meint, dieses „einander finden“ müsse Schicksal sein und er fragt ganz schüchtern, ob er wieder mitkommen darf. Ich warte mal ab, es fahren täglich Busse nach Nairobi.

Tom zeigt mir auf dem Nachhauseweg ganz unschuldig und doch gestenreich, wo es ihn einen seiner dunklen Heimwege nächtens hingehauen hat. Er war einfach zu faul, die paar Schritte zur Brücke zu gehen. Gegen die Mitte der wackligen Pipeline erinnert er sich, dass ein Zementblock folgt; er kann ihn aber nicht ausmachen. Ein Schritt nach dem anderen setzt er rückwärts. Ich nehme an, zum fallenden Misstritt hat der Konyagipegel das seinige dazugetan. Nun weiss ich, wo all die Schrammen und die treifendnassen stinkenden Kleider vor einer Woche herkamen, selber Schuld.

Anstatt dass wir uns etwas hinlegen können, um dem Hangover entgegenzuwirken, stehen Aloisia und ihr Bruder vor der Tür. Das obligate Prozedere mit Wasser, Erdnüssen, Mambo, wie geht es dir, der Mutter, dem Vater, der restlichen Familie, wie läuft die Schule undundund zieht sich dahin. Dann endlich, beim anstehenden Aufbruch der eigentliche Grund ihres Besuches: Kommenden Samstag ist (inter-)nationaler Frauentag. Sie lädt mich offiziell ein, den kulturellen Anlass in ihrer Schule zu besuchen – die Direktorin wisse schon Bescheid. Soso… ich sage zu und freu mich drauf.

Einen Wochentag genehmigen wir uns, um die Community-Tour durch Mwanza zu testen. So ist kaum nach einem Nachtglöckchen um Mitternacht, um fünf Uhr schon wieder Tagwach. Mary wartet. Es ist enorm schön anstrengend, die Routen zu erforschen, mit den Verantwortlichen unser Vorhaben auszuhandeln, Timetables zu checken und Touränderungen zu diskutieren. Nsajigwa zeigt sich wieder mal von seiner unproffesionellen Seite. Bei Fragen erfindet er was oder sagt entgegen einem vorherigen Mal was Anderes. Jadida managt once clever, dass Tom im Auto zwischen sie beide zu sitzen kommt – Nsajigwa ist wirklich der einzige Mwafrika weit und breit, dem man nicht riechen mag, pardon. Einige bemerken, er trinke vielleicht heimlich. Nein, das passt nicht ins Bild. Aber irgendwas „konsumiert“ er bestimmt. Vielleicht will er niemandem sagen, dass er Medikamente schlucken muss oder aber er zieht sich abends heavier Stoff rein. Tagsüber sieht man ihn weder gross essen (kaufen), noch trinken. Es ist nicht ersichtlich, was er mit seinem Lohn macht – ausser zu früh anfangs Monat schon wieder keinen mehr zu haben.

Wir fangen beim Fischmarkt an, in der Hoffnung, diesmal auf frischen Fisch zu stossen – leider nein. Aber es ist amüsant, mit den kaffeeschlürfenden und rauchenden Fischern über ihr tägliches Brot zu fachsimpeln, bevor die Markttore geöffnet werden. Danach auf Streifzug zeigen wir Mary die wenigen erfahrenen Details vom ersten Mal zeigen und das dach-terrassige Restaurant gegenüber findet sie auch grossartig. Sie selber war ihrer Lebtag selber noch nie hier; ein gekanntes kesho, kesho kesho (orgen, morgen, morgen).

Zweites Ziel ist die Holzfabrik. Auch hier sind wir zu früh. Schlicht stehen all die gestapelten Bäume, die liegenden Holzlatten und Möbel auf der weiten Wiese. Die ulkigen und all die ururalten Fräsmaschinen und sonstigen Werkungeheuer stehen still. „Actionreich“ werde es erst gegen Mittag. Auf mein Wink hin, macht Mary wenigstens einen Schreiner für unsere Zanizibartüre aus. Drittes Wunschziel müssen wir auslassen: Mr. Mmarys Lederfabrik. Er konnte kurzfristig nichts arrangieren und will uns nicht unvorbereitet geführt reinlassen.

Zurück Richtung Stadt gekurvt, ab ins Kirumba-Stadion. Auch dort dürfen wir nur angemeldet rein. Wir zwängeln uns verabredet durchs Eisentor ins Innere. Auf den Manager warten wir und warten und warten und warten wir auf der rennbahneingekeilten Spielwiese. Aus dem Nichts aufgetaucht erzählt uns ein zerlumpter, alter Mann gestenreich dieses und jenes über das Stadion, ein Anekdötchen von berühmten Leuten hier, eine lustige private Geschichte dort… leider rast sein zahnloser Mund so schnell, ich verstehe kein Wort. Und er redet und redet und redet und… dann haut er wie von der Biene gestochen einfach ab! Wir schauen ihm verblüfft hinterher und warten und warten und warten auf seine Rückkehr… auch vergebens, wie auf das Auftauchen des Managers ebenso. Auf der obersten Tribünenreihe habe ich gepinselte Reklamen entdeckt – wenigstens wieder eine Idee für uns. Wir stehen noch ein Weilchen dumm rum.

Dann ist nichtsdestotrotz eine Stärkung fällig. Wir spazieren nach Nebenan, in das besucher-leere Villapark. Zu tagesheller Stunde waren wir alle noch nie hier „im Ausgang“. Gemütlich, genüsslich, lecker die frischen warmen Chapatis und feingewürzten Supus. Der pfiffige und feinduftende Besitzer verrät uns die Zahlen zu den Besuchern und erklärt das Konzept des grössten Nachtclubs Mwanzas. What a program, what a charming man, flirt. Das Villapark steht stadteingangs, lärmpegelgrundig mehr oder weniger im 200 Meter-Radius entfernt von den nächsten bewohnten Gebäuden. Macht Sinn, denn der Club ist hauptsächlich offen gestaltet. 3000 Shilingi kostet der Eintritt für die Innendisco, bestimmte Wochentage be-stimmen die Soundrichtungen (Bongoflava, westlicher Rock&R’nB‘, etc). Die Live-Bands draussen spielen hauptsächlich traditionelle Stücke. Jetzt gerade erkennen Mary und Tom die Musik der Luo (des Obama-Tribes). Im Villapark gibts Billardtische, Sportbars, Flat-Screens, gemütliche Lounges, rote Teppiche, Discokugeln, leckere Gerichte und einen grellen Laserstrahl ins All hinauf – den sehn wir manchmal von Kiseke aus und angeblich könne er zwischendurch sogar in Bukoba ausgemacht werden. An einem Abend können es im Villapark locker 3000 Ausgangswütige sein, oder haben nur schon alleine drinnen Platz – das ich weiss nicht mehr, und mein gescheites Zettelchen hat sich in Luft aufgelöst. Während unserer Pause mache ich den Vorschlag, mit zukünftigen Touristen im einfachen Strassenrestaurant ums Eck eine längere Rast zu machen, oder auch das Kiss und das Shooters gegenüber zu berücksichtigen. Diese Lokale sind etwas autenthischer als hier das moderne Villapark. Der Tourist kann so selber auswählen, entweder zu relaxen, sich in den Clublokalen umzuschauen oder im Gemüsemarkt nebenan zu schnuppern. Die Verhandlung mit den Restaurants müssen wir allerdings vertagen. Wir habens ein bisschen verhängt – unsere Zeit wird knapp.

Mary drivt weiter auf einen bestimmten Stadthügel. Von diesem munkelt man, dass er der Entdeckungspunkte von Speke sein könnte: Heute steht da ganz unromantisch ein Elektrizi-tätswerk drauf. Wir klettern aufs Flachdach, um etwas Entdeckerfeeling zu erhaschen. Die Rundsicht ist ein Genuss… Wie ich es liebe, von den unterschiedlichsten Punkten aus den Viktoriasee immer wieder neu zu entdecken – mal von oben, mal von unten ganz eben, mal in die Weite, mal eingekeilt – herrlich!

Wenn wir schon in der Nähe sind, knüpfen wir die Isamilo-Lodge an. Hello Mary-Blond. Die Britin hat eine für mich typische akzenthohe Melodiestimme. Mit strenger aber wohl fairer Hand führt sie das Isamilo. Die Angestellten kuschen teilweise, das bestandene Personal nimmts lockerer. Als ich auf Toilette muss, an der Reception das Angebot zum Gratis-Internet entdecke, darf ich mich natürlich bedienen. „Karibu“, meint der, der gerade vor der Kiste sitzt und schnell abgedreht hinter der Reception verschwindet. Hoppla, ich tu, als hätte ich es nichts bemerkt: der Typ schaut sich eindeutig zweideutige Seiten an.

Nach dem stärkenden Kaffee stehen wir im Stadtkern unerwartetet vor verschlossenen Türen. Der Hindu-Tempel hat Siesta von zwei bis sechs Uhr Abends. So gibt es immer wieder Punkte in einer Tour, die neu durchdacht werden müssen. Wir durchschlendern anstelle nun die indische Bibliothek. Sehr alte Bücher und ausrangierte Zeitschriften verstauben in loddrigen Regalen; es riecht entsprechend. Die eine oder andere Lektüre wäre sicher spannend wie auch die alten Musikkassetten und -Videos. Bewacht wird der Raum von den schräg hängenden schwarz/weiss-fotografierten Persönlichkeiten an den Wänden. Jeder stöbert etwas in seinem Tempo. Danach sind wir ein bisschen geschafft (wegen des ganzen Tages, nicht wegen des soebigen intellektuellem Ausschweifers). Wir beschliessen den Abschluss: ein kurzer Streifzug in der Quartierstrasse Makoroboi-Market, mit einem Abstecher durch das grösste Areal mit den tausend Ständen sowie Mama Robis Restaurant – immer wieder elixierend! Und jetzt sind wir ganz schön auf der Schnauze. Aber es hat enorm Spass gemacht, uns gute Ideen gebracht und bestätigende Punkte beschert.

Kurzfristig entscheidet Mary, auch ein angedachtes Probeweekend gleich diese Woche zu durchleben: Mit dem Schiff zur historischen Stanley-Stätte in Kageye, mit feurigem Barbecue und nächtlichem Camping. Zum Touristenverantwortlichen bestimmt sie Tom (natürlich geschickt so, dass Nsajigwa nicht darauf kommt, er sei es nicht…). Ich hab schon die Verab-redung mit Aloisia. Fuchst mich schon ein bisschen, die beiden Tage nicht mit Mary, Tom, Jadida, William&Mr. Super (die aus Bukoba kommen werden) zu durchleben. Dafür übergebe ich dem jungen Holländer Jan den Auftrag, meine Touristenrolle zu übernehmen. Wie ich ihn kenne, wird er das ganz in meinem Sinne tun. Jan ist neuer Praktikant bei SNV, ein auf-geweckter, junger Mann. Sozusagen als Entschädigung dann, soll ich mich anfangs August einer Gruppe für in die Serengeti anschliessen können. Wird ja bald Zeit dazu, wo ich doch nur eineinhalb Stunden entfernt wohne. Serengeti, einer der grössten Nationalparks weltweit.

Ich nehme noch für diesen Sonntag Neemas und Martins Einladung an. Kalkühl wie ich bin – smile – brauche ich mich so diese Tage nicht um was Essbares zu kümmern und Mary kann getrost meinen Gaskocher mitnehmen. Wie gesagt, Tom kriegt „offiziell“ den Kochjob, Nsagjigwa ist der eigentliche Reiseführer. Das heisst, die beiden rekognostizieren am Vor-vortag das Ganze erstmalig – zwei total unterschiedliche Typen. Man darf auf die Resultate gespannt sein. Tom steht um fünf Uhr auf und läuft im Dunkeln zur Daladala-Station. Tagsüber ruft er immer wieder an, um mir den Stand der Dinge durchzugeben oder auch meine Mei-nung zu einer Idee abzuholen. Ich finds irgendwie süss, wie er professionell zwischen Partnerschaft und Geschäft switcht. Einmal spüre ich, dass er sich zusammenreissen muss, um Nsagjigwa gegenüber höflich zu bleiben. Ich selber geniesse einen Faulenzertag und schreibe Tagebuch.

Ein Tagessonnenzyklus vergeht, Tom kommt nach Hause. Ich schmunzle über seine Erzäh-lungen. Als er hier frühmorgens loszieht, hat er unerwartet einen neuen Nachbarn zum Be-gleiter: ein uns unbekannter Hund. Er nimmt noch zwei grosse Steine in die Hände. Die rechte Hand steckt er gestreckt in die Jackentasche, „Oh Andrea, siehst du, so. Damit meint man, ich habe eine Waffe bei mir“. Dem immer noch nicht genug, steht er vor Shems Haus und will diesen um Eskorte fragen „Weisst du, Shem ist auch Nachtwächter von Beruf… Aber ich besann mich, dass die Kinder noch schlafen, und so weit zum Daladala ist es nicht mehr. Ich habe mich alleine weiter aufgemacht.“ Er erzählt das so nüchtern, ohne Emotionen und doch mit einem Riesensmile im Gesicht; so, als wär es selbstverständlich, halb bewaffnet kampfbereit unterwegs zu sein. Ich realisiere erst am Schluss der Story, dass er wirkliche Angst hat in der Dunkelheit – woher das kommt, auch das reime ich mir später zusammen.

Tom gibt mir nach diesem Tag Recht, er verteidigt Nsajigwa nicht mehr. Die Safari mit den Touristen wäre als Katastrophe prophezeit. Nsagjigwa hat weder mit den Leuten vor Ort verhandeln noch reden wollen. Er habe ziemlich den grossen Organisations-Chef rausgehängt und Tom als seinen Unterhund behandeln wollen. Dieser tat nichts dergleichen. Es war ihm sogar recht – lieber kein Dreinschwätzen als eh nur unnützes Zeugs. Auch wäre Nsajigwa nicht annähernd auf die Idee gekommen, wie man Übernachtungsmöglichkeit am besten ausschöpft, geschweige denn diese zu organisieren und was man dazu alles braucht. Als Kleinbeispiel, „Was, wir müssen für die Wazungu Toiletten und einen Waschplatz kreiieren? Und Trinkwasser brauchen die auch noch?“ Tom hatte echt anstrengende Momente. Tagsdarauf präsentiert er Mary folglich einen ausgeklügelten Campingplatz mit Schlafplätzen, Kitchencorner, etc. Dass Nsajigwa entgegen der Abmachung bereits nach der abendlichen Rückkehr bei Mary mit Worten blufft, finde ich sehr unfair. Aber es passt zu ihm. Wie auch, dass er vorgängig erhaltenes Tourengeld vorenthält. Er geht sogar davon aus, dass Tom sein Essen mitbezahlt. Tom erfährt erst durch Mary von den Spesen, als sie nachfragt. Nein, er (also ich) hat den ganzen Tag selber berappt… Nsajigwa, gehts noch!

Ich begleite Tom in die Stadt zum Grosseinkauf. Zweimal Lunch, einmal Dinner, ein Breakfast, Stärkung für Zwischendurch – für schlussendlich zwölf Personen. Frische Früchtchen und vielerlei Gemüse, Eier, Reis, Tea, etc. Ich muss ihn bremsen, er hat ganz viele tolle Kochideen. Thafadali, please stay basic für das erste Mal und für nur einen Tag. Du hast gar nicht genügend Pfannen und einen Küchengehilfen sowieso nicht. Sprudelsprudel, Tom wäre in seinem Element. Schmollend gibt er zu, dass er alleine nicht alles packen kann. Er ist richtig enttäuscht – die Verkäufer auch. Die denken bestimmt „Die Mzungu ist schuld“…

Jetzt fehlen noch Milchpulver, Coffee, Trinkwasser, Klopapier, Putzmittel/Lappen & Co. Raus aus dem engen Marktgetümmel. Hey, ich mache mich überraschend gut, balancierend mit dem schweren Riesenkarton auf dem Kopf. Die Händler und Marktfrauen staunen nicht schlecht (ich auch nicht) und sie lachen offenkundig offenmundig. Mein Beisteuern aus meinen Haushaltfundus besteht aus der Sammlung meiner zwei Gabel, zweier Becher, vier Teller, Schneidebrett, usw.

Dann ist es soweit, nur noch auf den frühen Morgenstart warten. Ich spüre, wie Tom sich freut, allen zu beweisen was er kann. Die Vorfreude selber zeigen, das tut er auch diesmal nicht – schade manchmal… Lala salama, gute Nacht.

Mary bekommt keinen Schlaf. Der Bootsvermieter meldet während der Nacht (nachdem wir das Schiff begutachtet haben!), dass es doch das eine oder andere Problemchen geben könnte…. Mary muss einen anderen Bootsbetreiber finden. Daher kriegen wir einen erfrühten Weckruf, Tom muss zur Nullstunde, um sechs Uhr bereit stehen, statt wie abgemacht Sa Tatu, drei Stunden später. Er ist soeben aus dem Haus gerannt. Ich wünsch ihnen ein pannenfreies, spannendes Weekend.

Und zu meinem Wochenende. Gut, dass man sich manchmal teilen kann. Eine weitere Samstagseinladung kam reingeflattert: Ehrendame für die Geschenksübergabe nach dem Final; entweder an die erhofft örtliche oder dann an die auswärtige Fussballmannschaft. Victa wird mich hier in Kiseke bei der Schule erwarten. Aber zuerst, Tom läuft gerade in die endende Nacht hinaus, habe ich eineinhalb Stündchen Zeit, bevor ich gegen Acht Aloisia für die Frauenveranstaltung abhole.

Genüssliches Duschen. Nein! Es klopfts energisch an die Tür. Noch nicht sieben Uhr. Jo-sephine? Nein. Aloisia steht vor der Türe. „Habs vergessen, wir müssen um Acht in der Schule sein.“ Ok, ich beeile mich, komme gleich zu dir! This is Afrika. Harakaraka, schnell. Auf das Frühstück verzichten, meine Haare trocknen, das Outfit aussuchen – afrikanisch oder westlich, westlich oder afrikanisch? Ich entscheide mich für meinem traditionellen Bukoba-Rock, gespickt je in weiss mit einem T-Shirt, dem luftigen Foulard und den Keilheelschuhen. Die Fahrt in die Stadt erfolgt etappenweise, Aloisia muss noch Theaterutensilien einsammeln. Stolz ist sie, mich im Schlepptau zu haben. Erst um neun kommen wir in Mwanza City an. Tausend pupertierende Mädchen weisskopfduchbedeckt umrunden mich (gut ist die andere Hälfte Jungs heute ausgeschlossen). Sie betasten und bequatschen mich und knipsen ihre Mobiles voll. Es wird Basket gespielt, Verse geklatscht und etliche Kurztänze im Kreis gesungen. Erdrückendes Chaos wenn ich zur kreischenden Freude dabei mit meinem Arsch mitwackle!

Dann sollte das eigentliche Programm losgehen. Die Direktorin befiehlt die Anordung ins Mikrofon. Jetzt komme ich nach, die Schattenplätze müssen noch geschaffen werden, jetzt müssen die Stühle erst jetzt aus den Zimmern geholt werden. Und jetzt ist Aloisia ver-schwunden. Das Soll ist wohl erfüllt, nachdem mich alle als ihre Mzungufreundin wahrge-nommen haben.

Ich sichere mir einen Schattenplatz und schaue schmunzelnd dem eifrigen Treiben zu. Die nach und nach eintreffenden stolzen Mütter halten mich beschäftigt. Herrlich sind die auf-getackelten, herausgeputzten, tribe-abhängigen Kopfbedeckungen trappiert in die Höhe, in die Breite, nach Hinten; dazu illuster glänzende, matte, farbenfrohe, gemusterte Kleiderstoffe (schnittmustermässig, würden wir sie höchstens für den Carneval verwenden). Amüsant präsentieren sich lange, kunstvoll bemalte Fussnägel und kitschig-wuchtig strahlt unechter Steinschmuck – wenige Ladies tragen echten Goldklunker. Ich bestaune die wunderschön pailettenglitzernden schwarzen Gewänder der burkaverschleierten Big-Mamas, dazu die hennaverzierten Hände und Füsse.

Nach zwölf Uhr (!) kann die Veranstaltung dann endlich beginnen. Also ich habe eigentlich langsam Hunger. Wieder Harakaraka, im Schnelldurchlauf, werden die ersten Theaterstücke und traditionellen Musiktänze dargeboten. Die Mädchen haben sich wirklich tolle Singstories und gestenreiche Darstellungen ausgedacht. Dem Tag entsprechend sind es alles Loblieder auf die endlosen Stärken und Grössen der Frauen. Dann endlich Lunchtime – bin langsam am Verhungern und Verdursten. Aloisias Sketche werden auf den zweiten Teil verschoben. Ich hoffe, sie kommt gleich als Erste dran, denn ich müsste doch zurück nach Kiseke.

Foodcorner in einem Schulzimmer. Vom Hof aus Schlangestehen zwischen dicken, dünnen, kurzen und langen Mamas. Ich finde es immer wieder erstaunlich, wie ruhig eine Men-schenmasse eng ineinandergekeilt Ewigkeiten ruhig warten kann. Kein Gemurre, einfach stilles Stehen oder Vorwärtsschlurfen. Aber wehe, wehe wenn dann das ersehnte Nadelöhr in Griffnähe kommt! Keine Ordnung, keine Körperseite ist von knuffenden Knien, stossenden Bäuchen sicher – da musst du einfach irgendwie (mit) durch die Türe. Meine Ellbogen sind beim Hineinklettern in öffentlichen VW-Büschen auch schon ganz schön spitzig. Geht gar nicht anders. Denn die Menschen steigen schon mal Mitte Fahrstrecke entgegengesetzt ein, um nach der Kehrtwende an der Endstation einen Sitzplatz für Richtung Ziel zu haben.

Beim Essengeniessen holt mich die Direktorin an den Ehrentisch. Ein bisschen fies habe ich mich über sie amüsiert: Beim Herrichten der Showbühne ruft sie immer wieder Tafadahli, „Bitte“; nur, schreit sie es als TafadhaRi. Der launenhafte Mix von L und R ist bei vielen Wör-tern vielerorts zu hören. Kiswahli ist nicht jedersmanns Muttersprache – doch bei einer Lehrperson dürfte man schon die korrekten Versionen erwarten… Abgesehen davon spreche ich auch immer besser swahili: Auch wenn es spezifische Namen dafür gibt, vielfach ist ein i-angehängt, bereits eine verständliche Variante. Beispiel? Der Hund, eigentlich Mbwa, wird zum Dogi, die Stadt, eigentlich Mjini, wird zu Towni, undsoweiter…

Abgeschweift. Die Direktorin bringt mich zu Nancy, einer Schwarzamerikanerin aus New York. Sie arbeitet für eine internationale Frauenorganisation. Eine echt coole, drummige Big-Mama. Im Ami-Slang verwirft sie ihre Hände, wie sie nur immer allen erklären muss, dass sie kein Kiswahili versteht! Sie ist ihr erstes Mal in Afrika, „Oj, I love it!“. Wir machen für ein paar Touristenprogramme ab. Ich ergattere noch schnell ein paar saftige Ananas-Schnitze, dann muss ich auf meinen Plastikstuhl zurück, es geht weiter. Nein, warum nicht mit Aloisias Gruppe? Wieder und wieder wird ihr Auftritt verschoben. Bis ich dann nicht mehr warten kann, ich muss wirklich gehen. Wirklich leider, ich verpasse ihren Auftritt in ihrer muslimischen Schule (an der übrigens mehr christliche SchülerInnen unterrichtet werden).

Megan und Elias kutschieren mich zurück nach Kiseke – ich hab mein Lieblings-Daladala er-wischt. Wir kommen keines Mal weiter als bis über die ersten Höflichkeitsfloskeln heraus. Aber es macht Spass. Der hübsche Jüngling und sein gemütlich dicklicher Driver, beide aus Butimba, sind ein aufgstelltes Topteam. Zu keiner Tageszeit, zu keiner noch so vollen Stunde erlebe ich sie anderes als lachend und fröhlich neckend – untereinander, mit den Fahrkunden und bestätigend augenzwinkernd wenn sie mich gegenüber dem Gästeklatsch verteidigt haben.

In Kiseke angekommen wird es bald eindunkeln. Beim Fussballfinal ist schon über Halbzeit, 1:0 für die Auswärtigen. Ich versuche möglichst unerkenntlich durch die Zuschauer zu schleichen, die sollen sich jetzt auf das Spiel konzentrieren. Und jawohl, bravo, so herrlich der Ausgleich!! Es sind hier zwar mehrheitlich Männer und Jungs unter dem Publikum, doch das Gekreische ist nicht weniger still, als voher in der Schule. Und es dauert ein ganz schönes Weilchen, bis halb Kiseke wieder vom Spielplatz gewiesen ist! Dann eben, Kinder, Frauen und Männer, die mich vielfach nur auf dem Durchweg treffen, plappern mich voll und wollen mich von Nahe studieren und kennenlernen, ich bin ganz schön beschäftigt. Spielverlängerung, immer noch unentschieden. Penaltyschiessen. Mich kugelts, die beiden Goalkeeper streiken. Das einzige Licht des Quasi-Vollmondes ist ihnen nicht ausreichend genug – sie rennen mitsamt Torpfosten davon!

Nach langen Beschwichtigungs- und Verhandlungsversuchen einigt man sich, das Tore-Schiessen morgen nachzuholen. Das heisst, ab Verlängerung wird wiederholt. Es wird dann immer noch ausgeglichen sein und die Gegner werden das Penaltyschiessen gewinnen. Ich werde an die Mannschaften eine kleine Rede richten müssen und amüsant, findet dann ein lauthalses stimmungsvolles Preisverteilen statt. Vorallem, wenn mich der eine oder andere Spieler bei der Übergabe spontan drückt, wir posen oder ich hie und da einen provokativen Kuss auf die Wange schmatze. Und natürlich darf ich wieder für unzählige (Mobil-)Fotos herhalten. Ist es schön, ein Star zu sein… und dann gemütlich barfuss durch den weichen Sand nach Hause zu schlendern und seelig ein Glas Wein unter dem klaren Vollmond zu geniessen.

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Es fehlt an … und an so einigem, dafür… Den ganzen Tag sind wir rockmässig unterwegs. Wie immer, mit „rock“ ist kein Rock gemeint… Testtour mit Rahim, Professor James Spillane, Tom, Nsajigwa und mir. Die heutige ist „die Steinige“. Gutgelaunt freuen wir uns darauf. Es macht Spass, wir unterhalten uns prächtig und werden prächtig unterhalten. Allerdings bin ich dann diejenige, die händeringend „Stop, basta!“ ruft. Das vierte Ziel sollen wir anpeilen – ein aussichtsreiches Hochplateau in Nyegezi. Ich bin mich die unterschiedlichsten Villages und die eigenartigsten Felsformationen gewöhnt. Aber es reicht jetzt. Ein „frischer“ Tourist wird für zusätzliche Szenarien nicht mehr aufnahmefähig sein. Auch das Laufpensum ist nicht zu unterschätzen. Wir sind uns einig, die Tour muss zweigeteilt werden. Der erste Rundgang über und durch Capripoint (das ärmlichste Slumdorf in Mwanza-City), über die Jiwe kuu (tanzenden Steine) und zum MV Bukoba-Denkmal bei Bwiru sind wirklich wunderschön. Der See präsentiert sich von allher unten herauf tiefblau glitzernd. Die Rocks, in allen möglichen Varianten, Grössen, Formen sind mystisch majestätisch und endless. Da müssen wir ein Ende ziehen. Genug Bilder, sie reichen. Auch reichen tut mir Nsajigwa. Keine Fragen weiss er zu beantworten. Er gebärdet sich aber oberwichtig, als wäre er der tolle Ideengeber für diese Touren, pah. Er weiss nicht, dass ich die Jiwe kuu und das MV Bukoba Denkmal schon mit Hendry gesucht und besucht habe. Ja, natürlich ist die Strasse autotauglich, ja, hier müssen wir geradeaus… alles Quatsch, Mann! Er hat keine Ahnung von gar nichts. Ich bemerke nichts. Mein schauspielerisches (Masken-)Talent kommt einfach mal wieder wunderbar neutral zum Einsatz. Ich nehme wahr, wie selbst die anderen mundhaltend einfach tief durchatmen. Mary weiss auch nicht, was der Herr eigentlich tagsüber treibt, für was er sein Salär bezieht. Nur ist Mary zu „grosszügig“, ihn rauszuwerfen. Wenn ich der Boss wäre… Ich versuche auf allen Wegen, an einen neuen Touristenführer zu gelangen. Nur, entweder fehlen die Ortskenntnisse, das englisch ist nicht vorhanden oder die Person ist schlichtweg nicht charming genug. Aber wer sucht der findet ja bekanntlich, oder?!

Zurück in Mwanza City will Rahim daheim sein Bein hochlagern gehen (der hat seit einem Unfall vor xJahren xPlatten drin). James will seine Reise nach Indonesion weiter vorbereiten – einen Monat für interkulturelle Treffen und zukunftsträchtige Zusammenarbeiten.

Wir drei Übriggebliebenen haben Hunger. Ich möchte zu Mama Robi. Mann, der Nsajigwa wusste nicht mal, dass es Restaurants im Marktareal hat! Ich hab noch keine, noch so kleinen Mini-Märkte entdeckt, wo es keine Essecken hat. Heute ist es meine fünfte Mahlzeit bei Mama Robi. Wenn noch im Topf, dann bestelle ich die schmackhaften Leberli, ansonsten den saftigen Fisch. Besonders lecker finde ich den dunklen Ugali. Diese gesünder geschrotete Getreidesorte hat Mama Robi zuerst nur für Personen aus ihrem Tribe gekocht, inzwischen verkauft sie das Zehnfache gegenüber dem ursprünglichen blütenweissen Maisbrei. Igitt finde ich, auch wenn es gesund sein soll – aber auch das ist traditionell – die eine Beilagensauce, welche mit Gallen-saft verbittert wird.

Beim nächsten Besuch (ohne Mister Nsa) werde ich Mama Robi auf meinen Wunsch an-sprechen, Touristen zum Lunch hierherbringen zu dürfen – schliesslich liegt mir Cultural-Tourismus am Herzen. Generell ist es für mich eine interessante Erfahrung, wieviel unter-schiedlichen Vorlauf es braucht, bis man auf die Menschen projektbezogen zugehen kann. Ich meine, eigentlich jeder empfängt mit offenen Armen, ist herzlich und hofft auf ein Wie-dersehen. Aber fürs Geschäftliche…. In vielen Köpfen – in den „ungebildeten“ – ist der Mzu-ngu, oder ein offensichtlich schwarzer Tourist, einerseits ein Mythos, andererseits „für Nichts zu gebrauchen“. Im Sinne, dass man ihm höchstens das Geld aus der Tasche zu ziehen versucht, und nicht verstehen kann, dass dieser auch Arbeitsplätze bedeuten könnte. Und selbst Pura hat diesbezüglich ihre Allüren: Beim Sonntagsmarkt Sabasaba lade ich sie und Jadida zum Essen ein. Aber Madame will nicht, es müsse schon ein richtiges Restaurant sein. Dann schmollt sie halt alleine, im Auto wartend. Bei der strahlenden, starken Mama Robi hab ich weder „Ablehnung“ noch sonstige Ticks entdeckt, doch aus Respekt will ich für meine Idee nicht mit der Türe ins Haus fallen – auch wenn diese fehlen.

Bei uns im Kiseke-Dorf fand ich es amüsant zu beobachten, wie auch Tom das Vertrauen der Marktfrauen und Bewohner zuerst gewinnen musste. Bei meinem Durchgehen hiess es „Mzungu“, jetzt heisst es zu uns beiden „Mzungu na Mwafrika“. Heute sind wir gut integriert, das spürt man einfach. Alleine unterwegs höre ich vielfach von Nah und Fern meinen Namen Andrea gewunken – die meisten Menschen davon kenne ich nicht persönlich – aber schöns ist es. Unerwartet verschont sind wir (ich) zum Thema Geld. Wir werden nicht als eventuelle Geldquellen betrachtet beziehungsweise frech fordernd darauf angesprochen. Und wenn doch, dann hat mich Tom mit entsprechenden Übersetzungen bis jetzt verschont. Beim Aufbau fürs Gertrud Familieneinkommen soll niemand was von meinem kleinen Support wissen. Das will ich nicht (offiziell). Gertrud war vor ihrer Niederkunft eine sehr erfolgreiche von-Haus-zu-Haus-Verkäuferin. Frischer oder frittiertem Fisch balancierte auf ihrem Kopf. Als ich laut entdecke, dass es im wachsenden Kiseke keine geräuchterte Sorte gibt, ist das Business an der Angel. Tom ist seit Tagen auf den Fischmärkten unterwegs am Ware aushandeln. Mit einer kleinen Stückzahl geräuchertem Fisch werden wir starten. Mit dem Erlös kaufen wir folgend die Utensilien für eine „Suppenküche“, denn auch das fehlt hier am Nachtmarkt noch. Und Gertrud ist wahrlich eine wunderbare Köchin. Wie wird sie mir nicht nur als Mensch, nicht nur ihr rauhes, kehliges Lachen, sondern auch ihre einfache, traditonelle Küche fehlen!!

Durch meine Touren und all die neugierigen Kontakte erfahre ich manchmal, was die Afri-kaner von uns Weissen „wissen“, und wo es definitiv an Aufklärung fehlt. Ein Beispiel? Die denken teilweise doch tatsächlich, dass HIV von den Europäern kommt! Die banale Erklärung: „Weil die Weissen die „unreinen“ Haustiere (Hunde/Katzen) in ihren Betten schlafen lassen“! Haaresträubend, nicht?

Aber zurück zum Touristentag, nach dem Lunch. Bye bye Nsajigwa. Auf getrennten Wegen suchen wir einen Schuhmacher. Bei einem meiner weisspinken Crocs-Flipflop hat das Ze-henteilchen während der Tour gerissen. Die mobilen Holzwägelchen lassen sich einfach finden. Ja „Mzungu“, die wollen 3000 Ths (chf 2.10) für die Reparatur. Aber Tom ist genial, ich bezahle doch nur den Localpreis von 200 Ths. Überhaupt ist das so eine super Sache für mich. Vielfach geht Tom vor und organisiert Transportmittel oder handelt Warenpreise ohne mich aus; ich tauche dann erst bei abgeschlossenem Geschäft auf. Was habe ich schon Geld gespart… Und hier gerade, mal ehrlich, haben wir in unserer Wegwerfgesellschaft plasterne Flipflops schon mal reparieren lassen? Das Schuhegeflicke wird etwas dauern, ich bin nicht die einzige Kundin. Ich will aber nicht nutzlos warten. So kriege ich zwischenzeitlich die Sleppers des Schuhmachers. So stürchle ich mit abgetretener blauer Grösse 46 durch die vollen Strassen! Und ich finde es einfach toll, dass dieses modische No-Go keinem auffällt!!

Später setzen Tom und ich uns in einen Park, relaxen, diskutieren, blödeln umher und leisten uns vom den Baiskeli-Kühltruhe-Verkäufer mehr als ein (Erdbeer-)Eis. Müde dann hängen wir uns an den Strassenrand. Kein einziger Daladala der Kiseke ruft, absolut keiner – zwei lange Stunden lang! Das mag daran liegen, dass die grossen Ferien angefangen haben und die Busse mangels fehlender Schüler und Studenten vorübergehend andere Strecken fahren. So gibt es wohl Vehikel nach Kiseke. Die fahren aber entweder schon voll beladen vorbei oder meine Erkennungsfarbe nützt mir bei den unbekannten Kondakter nichts. Ich werde nicht wie üblich „aufgelesen“ – auch ich soll manchmal schwarz sein.

Schwarz – an was liegt es? Irgendeine dunkle Wolke scheint in meinem Haus zu wirken. Ich erwache, plätschert es? Nein, bitte! Nicht schon wieder! Der vorletzte See liegt drei Wochen zurück: Wir hatten kein Wasser und Gertrud-Neugierig, fliessendwasserungewohnt, hat den Hahnen nach „persönlicher Kontrolle“ nicht wieder zugedreht! Wir haben ganz schön gelacht bei der Trocknungszeremonie nach mitternächtlichen Heimkommen. Dann vor einer Woche wieder ein Zischen, das mich weckt. Es ist der kurze Wasserschlauch hinter dem Badlavabo. Diesmal habe ich geflucht (Première)! Vorallem, weil ich im Dunklen den Hauptwasserhahn vor dem Haus kaum abzustellen vermag und es danach trotzdem weiter leckt! Ich hab keine Lust, Fundikosten zu übernehmen. Ich bin ja eigentlich ein grosszügiger Mensch, aber nicht bei einer Vermieterin wie Josephine. Sie hätte Wort halten und nicht kalkulieren sollen, sie könne durch mich die landesweiten Promotionreisen für ihren Eintritt ins Parlament decken. Profilierungssüchtig prahlt sie sogar herum, dass die Mzungu von ihr luxusmässig ausgestattet in ihrem Haus wohnt! Letzteres allerdings hat Neema von einem Quartierwächter erfahren. Den hat sie aber ganz schön zusammen- und zurechtgepfiffen, schliesslich war Neema bei mir im Hause und hat die Wirklichkeit kopfschüttelnd gesehen. Und dann meinte Josephine mal nasehochhaltend beim Thema (fehlende) Hausaustattung „Ich selber schlafe ausschliesslich auf dem Boden“. Na und, denke ich, schön wenns dir gefällt.

Doch zurück zur nächtlichen Baustelle in der Woche zuvor. Irgendwie biege ich beim Lavabo die sperrige Wasserleitung kurzmomentig tropffrei und hantiere erfolgreich mit Sekunden-kleber und Wundpflaster. Zähneknirschendes Fluchen. Tom überschläft alles selig; kein Wunder, so räuschig wie er in jener Nacht nach Hause getorkelt kam. Und dann höre ich es eben jetzt schon wieder rieseln. Zwei Uhr Nachts – Tom erwacht auch. Das Wasser läuft bereits wieder ins Schlafzimmer. Demnach ist auch der ganze Gang und das Wohnzimmer gedeckt. Himmelherrgott! Diesmal tuts vor Galgenlachen weh! Gleich zwei giftige Spritzfontänchen – wie lange schon. Polepole, ich hantiere das überfällige Moskitonetz runter und fange auf dem Fussboden der Hausfrauenarbeit an. Tom werkelt mit allem erdenklich gefundenen Material herum. Wie lange bleibt das gewickelte Baby diesmal trocken? Zumindest sind wenigstens gleich alle Bettwäsche gewaschen und alle Zimmerböden blitzeblank geschruppt. Also wirklich, entweder haben wir kein Wasser oder dann dort, wo wir es nicht haben wollen!

Ein Guardian erzählt mir, dass die Wasserfirma die Leitungen absichtlich abstellt: Erpressung besserer Verträge. So hat sich seit dem letzten Zehntagesstreik ein Halbtagesfliessen eingependelt. Bis auf vor drei Tagen, da muss es ein wirklicher Defekt gewesen sein. Ganz PPF ist ausgetrocknet, sogar die Reservetanks, restlos bis auf den Grund. Unwissend versuchen Tom und ich in stockdunkler Nacht ein paar Tropfen aus der fünfzehnmeter tiefen Wassergrube hinaufzubefördern. Actionsreiches Hantieren mit Seilen, Taschenlampen, Kübeln – einzig resultierendes Nass ist unser Schweiss. Echt, wir lachen ja schon täglich und erleben die kurligsten und unglaublichsten Geschichten. Was wohl alles noch kommen wird? Unsere kurze Zeit würde schon jetzt Filmabende füllen – mit Positivem wie Unvorhergesehenem. Ohne Worte meistern wir die Situationen wie ein lang eingespieltes Team. Ja, auch er wird mir fehlen!

Und stellt euch vor. Soeben habe ich eine E-Mail von Madaraka erhalten: Mein Visa sollte klappen – über Dar-es-Salaam! Madaraka ist noch zwei Tage dort. Dabei wäre ich doch gerne noch etwas länger illegal im Land geblieben – mache ja sonst immer alles regelkonform. Allerdings hat auch Madaraka den Preis nicht durchsetzen können. Ich werde mir also hier den Winterspeck günstig anlegen müssen, damit es dann zurück in der winterlichen Schweiz nicht allzu lastig wird.

Doch muss ich finanziell vorübergehend auf Sparflamme haushalten. Die neuen Bankkarten aus der Schweiz lassen auf sich warten. Entgegen der Abmachung hat die Bank sie nach Luzern verschickt – also zweiter Versuch. Mein „Notgroschen“ muss eine Weile reichen: Nach dem Unfall wurde ich ohne die Bankkarten sozusagen insolvent (lauter Premièren hier in Afrika…). Ich hab ein einziges gezieltes Telefon in die Schweiz gemacht. Tagsdarauf werde ich durch WesternUnion zur Millionärin. Die Scheinchen sind aber bald mal aufgebraucht. Ich will nicht nochmal anklopfen müssen, es ist ein ungewohntes und unschönes Gefühl. Mit meinem Auswärtsessen in den einheimischen Restaurants (durchschnittlich CHF 1.50) und dem noch günstigeren hauseigenen Gekoche von Tom und Gertrud, kann ich immer noch kalkuliert täglich mal eine Runde Zigis oder Fleisch spendieren. Zwischendurch liegt ein Glas Rotwein drin (etwas viel mehr letztes Mal). Es reicht für den Hustensirup meiner Kinder (und dazu Pullover, denn ohne diese ist deren Problem nicht gelöst) sowie Exercisehefte für den „Unterricht“ undundund…

My Goodness, ich liebe mein Leben!

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