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Archive for August 2010

…einfach nur…

…einfach nur auf dem höchsten punkt der insel ukerewe und andere bilder geniessen…

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safari II

23.8.2010
Safari zum Zweiten. Wir lassen unsere rumpelstrapazierten Bodys relaxen. Ein anderer neuer Nachbar bringt uns eine Telefonnummer. Adam hat irgendwo gehört, dass die Mzungu für die Tourismusförderung arbeite. Er möchte uns seine Artistenarbeit vorstellen. Zehn Kilometer unbekannten Weges hat er auf sich genommen, um mich zu finden. Das ist nicht unüblich. Auch ich laufe schon mal eine knappe Stunde, um dann mein Vis-à-Vis nicht vorzufinden – es vermag halt nicht jeder ein Mobile, geschweige denn den Prepay-Kredit dafür. Wir verabreden uns mit Adam am Montag Nachmittag im Majani. Uns wird ein Tisch in einer stillen Nische eingerichtet. Seit zehn Jahren exisitiert seine Traditional-Dance-Group, auch Comik wird angeboten. Adam getraut sich nicht, mich direkt anzuschauen, schüchtern ernst ist er auf Tom fixiert. Er zeigt uns ein paar Fotos, von denen ich Fotos mache. Wir verbleiben, dass Tom mit ihm ein Vorführdate vor Ort abmachen wird.

Wir bleiben – wie vielfach – im Majani hängen. Mir hat heute das gewohnte „Majani is bomba!“ von Pächter Kennedy gefehlt. Der Ausruf ertönt üblicherweise schon, wenn wir von Weiten sichtbar werden. Es ist quasi der einzige Satz, der zwischen Kennedy und mir an einem Abend mehrfach hin- und hergeschaukelt wird. Schmunzelnd glauben wir auch, dass er das noch im Schlaf vor sich hinmurmelt. Kennedy hat eine forsche herzliche Art. Sehr pflichtbewusst unterhält er die Zimmer in der Lodge und unterweist streng die anderen Angestellten. Sein schwarzer Humor höre ich tonmässig raus, vielfach tänzelt er oben-ohne vor sich hin. Sam, der Besitzer, spricht zwar englisch, aber nuschelt so was von, ich hab meine liebe Mühe. Er sitzt allabendlich hier. Leider. Verheiratet ist er, Vater von einem achtjährigen Mädchen und einem drei Jahre alten Sohn. Ich lerne sie nie kennen, auch an privaten Anlässen kommt Sam immer alleine. Mehr als einmal muss ich ihn sehr vehement von mir fern halten. Tut mir ja leid, dass du Zuhause nicht glücklich bist, aber ich bin nicht die Lösung, Sam. Immer wieder meint er „Doch“, er würde mir überall hinfolgen, wir könnten glücklich werden miteinander. Und was ist mit Tom, frage ich? Der würde das bestimmt verstehen, glaubt er. Oje Sam, danke für dein Angebot, aber wirklich nein. Tom beobachtet die Szenen jeweils aus der Ferne. Er flippt nur einmal aus, als er meint, auch von meiner Seite her eine zuneigende Geste zu Sam gesehen zu haben. Kennedy beruhigt ihn und knöpft sich Sam vor. Dieser reisst sich inskünftig gewaltig zusammen.

Und heute Nachmittag scheint Kennedy das erste Mal einen freien Tag zu geniessen. Ach nein, keine Auszeit? Auch keinen Todesfall in der Familie? Ich bekomme mehrseitlich erzählt, dass Kennedy in der Kiste sitzt. Wie das? Vorgestern hat ein Typ frühmorgens ein Zimmer gebucht und beim Einchecken erwähnt, dass er aber nicht hier schlafen werde. Kennedy findet dies und den Typ selber suspekt. Als der Gast am Nachmittag wieder auftaucht, will Kennedy wissen, was denn im Zimmer sei, wozu er es denn brauche. Es kommt zu einem handfesten Streit. Der artet aus und endete damit, dass Kennedy dem Typen mit einem Elektroschocker ein Auge raussticht, autsch! Nun sitzen beide im Kittchen. Kennedy ist drei Tage später wieder draussen. Der andere, der sei ein lang gesuchter Verbrecher und komme wohl ein ganzes Weilchen nicht mehr ans Tageslicht. Was ist oder war denn nun sein Delikt? Diese Frage überhören sie alle wiederholt gekonnt.

All die Stammgäste und Angestellten im Majani sind ja schon jeder auf seine eigene Art crazy, aber alle total lieb. Und heute ist Irine mit von der Partie: Einundzwanzig Jahre rundliches, protzendes Selbstvertrauen, enorm hervorgehievtes Dekoltée (die hat ja drei Köpfe), Servierdüse, Kundenberaterin und Model. Vor allen Anwesenden tanzt sie eine Runde für mich. Mann, kann die den Arsch und ihre Bälle rollen lassen und ganz laziv langt sie sich dabei noch in den Schritt – bei uns unvorstellbar dieses sexuelle mooven, hier scheinbar ganz na-türlich – und das bei Tageslicht und ohne Alkoholeinfluss. Dafür, auch am Tisch, sitzt Peter mit schon ziemlich gläsernem Blick. Als ich erfahre, dass er ein Driver ist und ich entsprechend „ausrufe“, bestätigen mir alle rundum, dass er noch so viel Alkohol konsumieren kann, „Im Auto ist er wie auf Knopfdruck wieder wach.“. Wers denn glaubt. Der kriegt ja nicht mehr mal sein I-like-you’s zustande, die er in meine Richtung haucht und von denen er unschuldig glaubt, es sieht sie keiner, nein sowas. Spätnächtens dann beim kurvigen Rückwärts-durchs-enge-Tor-rausfahren, kriegt das Auto einen Mini-Kratzer ab. Ich bin beeindruckt, dass es nur zu einem kleinen Kratzer gekommen ist. Doch sein Boss William explodiert förmlich und schimpftundschimpftundschimpft – laut, gestenreich und stampfend. Ich kann mir das Et-Voilà-Grinsen nicht verkneifen und freue mich, dass sie das Auto stehen lassen. Dafür wird es halt noch später und willkommen entscheidet Tom, wieder mal im Majani zu übernachten. Lala salama, schlaf gut.

Bei Sonnenaufgang juckt Tom nach Kiseke und packt harakaraka schnell ein paar Sachenein. Trotzdem verpassen wir die Morgenfähre nach Ukerewe. Ich hab nichts gegen ein gemütliches feines Majani-Frühstück, die Mittagsfähre tut es alleweil –Reisezeit dreieinhalb tukernde Stunden.

Ukerewe: Kicher-Insel. Die Menschen haben ein total ansteckendes gurgelndes Lachen. Ich gehe allein ins Guesthouse Monarch. Dort setze ich mich gleich auf „meine“ Schaukel. Hab dem jungen Georgy beim ersten Ukerewebesuch gesagt, er wird mich wieder sehen. Der schaut aber zuerst ganz schön skeptisch von Weitem und macht umso grössere Freuden-sprünge von Nahem. Wir verabreden uns für den nächsten Morgen: Baiskeli-(Fahrrad)Tour nach Halwego.

Tom hat inzwischen die günstige Pollax-Lodge ausfindig gemacht, sie wird auch als Nachtlokal frequentiert. Dort traf Tom auf den Masai Moses, der am Abend wieder zu uns stösst. Masai Moses, absolut sexy diese tiefe Stimme. Also: Masai-Moses hat in seinem Leben bis anhin fünf Löwen getötet. Der erste zum Beweis seiner Manneskraft, der zweite als Hochzeitsgeschenk (nur bei der ersten, nicht bei den folgenden beiden Frauen) und die anderen drei bei der Verteidigung seiner Ziegenherde. Bei den Gaben muss ein Masai zum Beweis nur den Löwenschwanz und ein Stück eines Ohres mitbringen. Was für eine Verschwendung, finde ich; zumindest das Löwenfell gäbe doch was her. Was Moses aufs Toms schüchterne Frage hin ganz natürlich bestätigt: Die Beschneidungszeremonie beinhaltet einen zusätzlichen Schnitt. Ob das für alle Masai-Stämme gilt, weiss ich nicht. Nach den vorangehenden traditionellen Tänzen, Waschungen, Bekleidungen, geschieht folgendes: Die geschnippelte Vorhaut wird am unteren Penisteil, etwa in der Mitte wieder angebracht und zwar so, dass diese bei erregtem Zustand auch anschwillt. Tom erklärt (dem Ton nach in seiner Mannesehre etwas verletzt), darum haben die Kenyaner Angst, wenn deren Frauen einem Masai begegnen – die kämen nämlich nachher nicht mehr nach Hause! Mir ist nun klar, warum ich von ihm eine Art vorsichtige Eifersucht spüre, wenn ich meine Masai beim künftigen Museum besuche.

Diese erste Inselnacht ist kurz. Schlafen unmöglich, die Afrikaner sind immer laut, aber heute wollen sie scheinbar nie Schluss machen. Zum Frühstück gibt es versöhnlich leckere Fischsuppe; ein halber Fisch in eigener Bouillon, das mildert die Stimmung und stärkt.

Halwego sei nicht so weit entfernt westlich gelegen, meint George. Dort sind die berühmten Höhlen. Nicht so weit. Das kenn ich doch von vielfachwoher…. aber ist das schön. Die ein-samen Gehöfte, auf den Wegen die Frauen auf dem Kopf Feuerholz balancierend, die Kinder mit Gefässen voll Spinat oder einer Feldharke grösser als sie selber in den Händen, dazu die grüne wieder etwas andere Vegetation. Ich kann mich wie immer nicht sattsehen – auch nicht sattessen beim zweiten Stopp für eine kleine Zwischenverpflegung: kurze, dickbäuchige gelbe Bananen, die mitsamt Schale gekocht werden müssen – warm geschält, so sweet…

Als erste Unterbrechung galt Toms Stop für die Rückkehr. „Oh Andrea, ich habe Magen-probleme“ klagt er – Hangoverwehen bestimme ich. Dafür gabeln George und ich auf dem weiteren Weg Richard auf, ein Cousin von George. Noch etwas weiter verlange ich einen dritten Halt: diese Farben, dieses Leuchten. Wo kommt das her? Durch grünes Gebüsch ent-decke ich orangene Sonnen; diese unbekannte Blumen strahlen so was von kraftvoll – lasst mich dieses Lichtspiel ein wenig geniessen! Auf dem Weiterweg wimmelt es grüngepunktet. Eine fünfzigköpfige Schulklasse auf dem Weg nach irgendwohin. Die rot gekleidete Lehrerin geht aufrecht in der Mitte. Auf deren Kopf trohnt ein umgekehrter Schemmel, welcher in einer Plastikbox das Pausenbrot, wahrscheinlich Mandazigebäck, hütet. „Mzungu, Mzungu!“ Vierzig lachende Kinderbeine rennen unseren Eingang-Velos ein ganzes Stückchen nach.

Eine weitere Radelstunde auf Sand- und Steinwegen, die Sonne brennt inzwischen ganz schön. Geschafft, wir sind in Halwego bei den „Caves“. Ich schmunzle, das sind gar keine Höhlen – ok, bis auf zwei kleinere Einbuchtungen in den Stein. Ansonsten sind es natürliche Felsenformationen in die Höhe auf dem höchsten Punkt auf Ukerewe. Bei guter Sicht über-blickt man die ganze Insel bis hinüber Tanzaniafestland und Masai-Mara Kenya. Eine ener-giegeladene Ruhe geht von diesem Platz aus. Ich könnte lange einfach nur sitzen und nichts tun und nichts denken. Natürlich will ich noch die steinern gebaute Treppe auf den steinernen kurligen Königsstuhl hinauf. Tolles Gefühl! Den letzten Schritt auf das Rückenlehnpodestchen kann ich allerdings nicht machen. Es geht dahinter steil hinunter. Das erste Mal spürte ich es auf der Brücke über den Mara-River, jetzt zum zweiten Mal: Ich bin nicht mehr ungezwungen gewohnt schwindelfrei – vielleicht ein Unfallüberbleibsel.

Wir pedalen weiter zu Georges Grossmutter – Eine von Vier. Sie sitzt vor einem Berg frisch ausgegrabener Kasawawurzeln, köstlich. „Andrea ist eine Freundin von dir? Ihr versteht euch gut? Soso. Warum seid ihr dann noch nicht verheiratet?“ Wir sitzen im Hof und bekommen feuerheisse, softe Sweet Potatos serviert. Das taufrische Wasser wird mit einer traditionellen Kalebasse aus einem alten Tonkrug geschöpft; nur schon deswegen schmeckt es göttlich. Wir spazieren über Felder und durch Gebüsche zur Mutter – Eine von Sechs. Die macht Freudentänze. Der Vater sitzt tief in sich hineingrinsend vor seinen silbernen, auszu-sortierenden Fischchen. Rundum meckern weisse Ziegen, pflatschen braune Gänse und schwarze Enten, hüpfen farbige Kücken, hängen getrocknete Kräuter und furchteinflösende Fetische. Zurück bei der Grossmutter wird aufgetischt. Ich bin doch schon satt von vorher. Keine Chance. Stühle werden organisiert, damit wir in einer kaum mannshohen Hütte im Schatten essen können. Ich stelle fest, dass die Kühe auf den Inseln Ukerewe und Ukara definitiv eines der zartesten, je gekosteten Fleische hergeben. Als Beilage ist auch der Ugali aus Kasawa. Und da ich mich mit keinem finanziellen Zustupf bedanken darf, offeriere ich für alle vierzehn Anwesenden eine Runde Sodas. Grossmutter strahlt, als wären Weihnachten und Ostern auf ihren Geburtstag gefallen.

Unter vier Augen auf das Thema angesprochen, verrät mir Georgy, dass er seit bald zwei Jahren eine Freundin hat. Von der Familie darf niemand was wissen – sie ist nur ein einfaches Mädchen. Wenn er denn aber das Geld für die Hochzeit zusammen hat, werden sie sich zueinander bekennen. Mir möchte er sie jetzt schon vorstellen – ich verrats bestimmt keinem…

Zweiter Tag. Besuch in Bukindo, bei Chief Lumanica. Tom ist wieder auf dem Damm. Diesmal nehmen wir ein Taxi in die entgegengesetzte Richtung Osten. Erneut zieht das pure Villageleben an uns vorbei. Rechts abbiegen, etwas hinein ins Dickicht. Ein mächtiger, wur-zelreicher Mangobaum empfängt uns leicht neigend vor dem Chiefpalast. Irgendwie ist es verdächtig still. Vier Frauen etwas Abseits beachten uns keines Blickes; sie sind damit be-schäftigt, die Fäkaliengrube zu entleeren. Die Enten, Geisslein, Affen, Vögel und Echsen drehen auch keine Köpfe. Wir stehen verloren auf dem Vorplatz herum. George grübelt laut „Das Gelände sieht verwahrlost aus. Bei meinem letzten Besuch vor vier oder fünf Jahren wirkte das anderst. Es war belebt, war hübsch begrünt und willkommend hergerichtet.“ Was machen wir also? Ist wirklich keiner da? Scheint so. Da endlich trottet Einer zu uns. Das ist sicher nicht das traditionelle Oberhaupt, dafür ist er zu jung, zu legère angezogen und tritt zu überheblich auf. Er bedauert, wir können den Chief nicht sehen, der sei gerade unpässlich. Er bedauert, es dauere auf unbestimmte Zeit. Ich bedauere die Hartnäckigkeit meiner Jungs keineswegs und krieg mich schlussendlich nicht mehr ein, gehe natürlich fürs losprusten ums Eck: Der Chief Lumanica ist seit drei Jahren Tod und keiner in der Hauptstadt Nansio weiss das (offiziell) und soll es nicht! Zumindest noch nicht. Pole sana, man konnte sich bis heute zu keinem Nachfolger einigen. Sehr schade. Ich hätte den Lumanica sehr gerne getroffen. Vorallem auch, weil Lumanica „Regenmacher“ bedeutet und ich glaube ja (fast) nichts, was ich nicht mit eigenen Augen gesehen habe.

Unser Teksi wollte nicht warten und ein neues…. seltene Durchfahrtsware, wenn man keine persönliche Kontaktnummer weiss. In der brütenden Hitze müssen wir laufen. Wir wollen zu den (bereits offiziellen) Vor-vor-und nochmals vor-vor-vor- und again vor-vor- Königsgräbern und danach zum Beach. Wenn ich richtig verstanden habe, ist das links von uns gerade das Gehöft, wo sich eine der Geschichten aus „Die Kinder des Regenmachers“ abspielen, oder aber der Schriftsteller Aniceti Kitereza wohnte selber dort oder beides. Hab wohl schon einen Sonnenstich…

Wir laufen und laufen und laufen… und das ohne Sonnencrème, die hat sich beim Schnell-schusspacken in Kiseke nicht bemerkbar gemacht. Vom gestrigen Biken ist mein Nacken schon ganz schön rot, jetzt gesellt sich die Nase dazu. Und dann heisst es bei jeder Biegung „bald“, „bald“, „bald“. Ich mag mich nicht mehr der Sonne aussetzen und so entschliesse ich jetzt einfach für alle, die Gräber, die irgendwo da draussen sein sollen, auszulassen.

„Ich schwörs, dir, hier hinter der nächsten Biegung“. Bist du dir sicher? Wir besuchen Georges richtige Mutter – welche wiederum auch nicht die Leibliche ist. Die läuft von Weitem auf uns zu und lässt uns nicht mehr los. Ist die Priska herzenswarm, man muss sich gleich in sie verlieben! Wir setzen uns in den wolhtuenden Schatten. Zum Strand wären es noch lange vier Kilometer! Während wir in den Schatten geflüchtet sind und uns nun ausruhen, versucht Priska, taugliche Fahrräder aufzutreiben. Vergeblich. So wird auch der schöne Nordbeach nicht mehr auf dem Programm liegen. Diese ungeplante Alternative, dieses Gehöft hier mit dem kleinen Taubenschlag, gefällt mir. Friedlich. Ich beobachte, wie die zwanzigjährige Winfrieda einer fetten Ente nachjagt: unserem Mittagessen. Die gerupften Federn werden natürlich entsorgt, von den eigenen Verwandten: Die anderen Enten und Entenkinderchen essen diese und trinken das Blut der soeben Verstorbenen – kanibalisch! Ich frage, „Nein, die Federn werden nicht verwendet. Aber wir könnten deinen Hinweis umsetzen, Kissen damit zu stopfen.“. Später werde ich noch von einem traditionellen Gehöft zum anderen geschleppt – sozusagen vorgeführt – und überall strahlende Gesichter. Winfrieda hat sich inzwischen hübsch gemacht. Sie quetscht sich zu uns ins gerufene Taxi, sie will noch etwas länger bei mir bleiben. Wenn ich anfangs Oktober noch in Tanzania wäre, fände mein dritter Ukerewe-Besuch statt: Ich muss die Einladung zu Winfriedas Hochzeit leider ablehnen. Ich geniesse, wie Winfrieda im Monarch kichert, als ich ihr zeige, wie man auf der Schaukel schwebt. Sie ist so jungmädchenlike schüchtern, ich kann sie mir gar nicht als Braut vorstellen.

Als Winfrieda dann beim Eindunkeln zurück muss, kann ich mir eine andere gar junge Frau genauer anschauen. Sie steht schon ein Weilchen verstohlen hinter dem Grundstückszaun. Sie lächelt ganz scheu zurück. Ein paar Annäherungsversuche. Nein. Sie getraut sich nicht, auch nicht auf Georges Zuspruch. Ein weiterer Schritt. Nein. Sie winkt schüchtern und geht zurück. Es war Georges Verlobte…

Ich freu mich auf ein frühes Schlafen gehen. Wir haben die laute Nachtlocation gewechselt. Gut geruht gehts auf zum nächsten Ziel, zur nördlichen gelegenen Inselschwester Ukara.

Einem panafrikanischen politischen Mythos zufolge liegt der Ursprung aller afrikanischen Völker im Herzen des Kontinents, im sagenumwobenen Land Punt. Dort im Zentrum wiede-rum im Nalubaale-See, dem heutigen Victoriasee, weilt die Insel Ukara. Ukara (auch mal ein Name des Sees) soll „Land der Sonne“ geheissen haben. In der Steinzeit seien seine Völker nach Norden ausgewandert und so zu Stammeseltern der alten Ägypter geworden.

Gleichentags werden wir es nicht hinbringen, auf der achzig quadratkilometer kleinen Insel Ukara den Dancing Rock zu finden und zurückzukommen, um die letzte Fähre nach Mwanza zu kriegen. Also schon wieder eine unberechnete Nacht länger ausser Haus verbringen. Ich habe mich daran gewöhnt, ungeplant tagelang in den selben Kleidern rumzulaufen, unterwegs Seife zu ergattern und intime Waschplätze zu kreiieren…

Die Fähre von Bugolora nach Bwysia tukkert zur Zenithstunde los, und dauert neunzig, statt der angekündigten dreissig, Minuten. Auf der Insel Ukara bin ich wohl eine sehr seltene Erscheinung; viele Menschen getrauen mich nicht wirklich direkt anzusehen oder sie smilen erst zurück, nachdem ich dies mit einem Habari-za-Leo tue. Und was erfahren wir? Zum Dancing Rock ist es weit. Aber die Fähre zurück nach Ukerewe legt auch schon in einer Stunde wieder ab. Also zwei nicht gerechnete Nächte. Unser Budget ist aufgebraucht. Kein Wunder, wenn man (Tom) dauernd Mahlzeiten und Drinks offeriert. Ich bin nun aber mal hier. Wir machen Kassensturz. Es bleibt nichts anderes übrig, als unsere beiden Begleiter George und Richard zurückzuschicken; gut habe ich Masai Moses schon vorher ausgeladen. Es bleiben uns exakt das Geld für die Fähre und den Daladala retour nach Ukerewe-Nansio, ein Einzelzimmer hier auf Ukara sowie ein Pikipiki zu den Rocks, je ein gemeinsamer Teller Mittag- und Abendes-sen, eine grosse Pet Wasser und zwei Bier. Ja, wir tun es.

Vom Süden in den Norden hinauf holpern wir durch die ganze Insel. Das Mototaxi findet uns mystisches Ziel sicher über unsichtbare Strassen. Falsch gedacht; wieder Neues! Ich war sicher, noch Ursprünglicheres gibt es nicht. Wieviele Jahrhunderte sind wir diesmal zurückversetzt? Es überrascht mich auch immer wieder, wie sich ausnahmslos, von unendlichen Entfernungen aus, sich alle Köpfe zu uns hindrehen und Arbeiten ein ganzes Weilchen unterbrochen werden. Es ist, als ob uns ein leiser Wind von Weitem vorankündigt. Der Pikipiki wird forscher und durchfährt im Zickzack ein natürlich eingezäuntes Feldweglein. Was sind das bloss für Sträuche, die mir krass spitzig die Beine zerkratzen.

Wir sind da! Ein wunderwunderschöner breiter Sandstrand breitet sich vor uns aus. Die runden Fischerhütten, eher Hütchen, sind bilderbuchmässig aus Stroh und nur kleinfrauhoch und ebenso rund. Wir fragen uns zu Nyab Hulebeka durch, so heisst der tanzende Fels. Bereits im Hafendorf haben wir erfahren, dass es zu spät ist, den örtlichen Chief aufzubieten – höchstens wir könnten drei Nächte verlängern. Den Chief bräuchte es deshalb, weil nur dann zu tradtionellen Gesängen und Zeremonien der Fels rockt. Er ruhe am Strand hinter anderen Steinen – Hulebeka, nicht der Chief. Zudem sei er eine sie – also die Felsin. Kaum in der Nähe tauchen Hüter des heiligen Ortes auf: vier Kinder zwischen sieben und zwölf Jahren. Die zehnminütigen Besuchsverhandlungen verlaufen absolut seriös und undiskutabel professionel. Man würde nicht meinen, dass hier Kinder mit Erwachsenen dealen. Zuerst müssen wir die Schuhe ausziehen, willkommend gerne. Dass Tom und der Pikipiki unser Opfergeld an einer bestimmten Stelle nach Vorgaben im Sand vergraben, das entgeht mir komplett, merkwürdig. Mitbekommen tue ich aber, dass wir beim Zurückgehen nicht den selben Weg am Strand benützen dürfen. Dieser ist für Frauen sowieso strengstens verboten, also für mich vorhin gewesen. Warum? Keine Fragen, das verlangt die Tradition. Aber zuerst twende, vorwärts, kurzes hochkrakslen. Da steht sie vor uns, die über die Landesgrenze hinaus berühmte Tänzerin! Ich habe viele, vorallem ältere Menschen getroffen, die das Tanzen miterlebt haben. Ich kann mir dies auch mit wenig Fantasie vorstellen. Jetzt gerade aber liegt die hinkelsteinförmige Kolossin friedlich da, die Füsse gegen den See gestreckt. Und da sie heute frei hat, tänzle ich ein wenig auf den umliegenden Strandfelsen herum – natürlich gemässigt, dem bedächtigen Ort entsprechend.

Zurück bestellen wir im Dunkeln unser Nachtessen (Strom und Wasser fallen heute aus). Tom hat solchen Hunger, dass er beschliesst, einen Freund anzupumpen. Wie das, ist doch keiner hier, den wir kennen. Folgend läuft das: Genauso wie WesternUnion; nur schneller per sms, das Umsetzhäuschen ist bis neun Uhr abends geöffnet. Manyama ist unser Gönner mit Ths 10‘000. Es werden also zwei Teller Mishkaki-Rindsragout, zwei Flaschen Wasser und je zwei Biere. Ich habe wieder obligat ein paar gwundrige Kinder auf dem Schoss, dann ruft der Heimweg zu unserem abgelegenen Guesthouse. Dort geniesse ich schmunzelnd die Luxus-Toilette: die weisse Toilettenbrille ist wunderbar weich mit Schaumstoff gefüllt. Wir schlafen tief und fest. Und lang. Und fast zu lang: Aufgeschreckt hören wir fern das Fährenhorn! Zeitcheck gibt es keinen, unsere beiden Mobils sind off und eigentlich richten wir uns sowieso lieber nach dem Stand der Sonne. Aber jetzt, die Morgendusche muss ausfallen, ohhooo, Beei-lung…

Knapp geschafft. Doch durch den Besuchs- und Kirchentag auf der grossen Schwesterinsel Ukerewe, ist die Fähre sonntäglich voll ausgebucht und natürlich einiges darüber. Aber glückspilzig ergattern wir unentdeckte Sitzplätze. Sonntag, darum ist die Retourfahrt teurer als von uns kalkuliert – das könnte eng werden. Wir müssen auch noch das unbenutzte Zimmer in Nansio bezahlen und die Fähre zurück zum Festland Mwanza. Gut habe ich das dafür geplante Geld in Nansio eingeschlossen. Wir werden genau für eine Fischsuppe zum Frühstück Shilingi übrig haben.

Oder auch nicht! Dort angekommen wird das Zimmermädchen gleich gefeuert – wahr-scheinlich nur bis zu unserer Abreise. Sie nutzte unsere nächtliche Abwesenheit vorzeitig. Sie hat das Zimmer gereinigt und unsere Sachen durchwühlt. Sie hat sich der Hälfte Barem (im Rucksack in einem Kleidungsstück eingewickelt) bedient. Um das zu finden, musste sie reichlich Zeit gehabt haben. Tja 10’000 tsh, 7.- sind halt schon eine Menge Geld… Mir ist es eigentlich egal. Bis auf einen Tausendener ist das eh der Zimmerpreis – jetzt sollen sich der Besitzer und die Putzdüse untereinander streiten. Uns bleibt also noch das Transportgeld. Wir gehen zur Fähre, um die Rückfahrt zu sichern. Wir treffen am Hafen auf fünf wartende Wazungu. Tom erweist sich wieder spontan als genialer Reiseführer und schlägt ihnen eine Tour am Markt vor. Das glaub ich nicht. Die Europäer und Amerikaner sind seit (über) zwei Monaten in Mwanza im Bugando-Hospital tätig. Sie kennen weder die lokalen Gemüsesorten, noch die Früchte, noch irgendwas Exotisches. Ja doch, sie waren einmal am Markt in Mwzanza-City, begleitet von einer Hausmutter. Nein, sonst seien sie nie in der Stadt unter-wegs, es sei zu gefährlich – ich könnt ne Krise kriegen!! Auch typisch nehme ich wahr, dass sie von unserem finanziellen Engpass erfahren, auch Näheres darüber wissen wollen. Aber keiner bietet an, uns auch nur ein Wasser zu offerieren. Ja ich weiss, ich darf mein Handeln gegenüber anderen nicht gleichsetzen. Tom kommt dann noch eine andere Idee. Er nimmt meine Sim-Karte, setzt sie bei einem unbekannten Nansiobewohner ein und kann mein ver-bleibender Prepay-Credit wieder in Bares umtauschen lassen. So gibt’s als Frühstück zwei herrliche frische Ziegenmilchshakes!

Ukerewe und Ukara. Doch, die beiden Inseln haben sehr schöne Plätzchen. Eine Tour müsste aber zwingend mehrtägig gestaltet werden. Ich diskutiere das Programm mit Mary und wir legen es vorerst auf die Seite. Wir müssen uns auf (Halb-)Tagestouren konzentrieren, welche in näherem Umkreis stattfinden können.

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mmmhhh, auf safaristrassen unerlaubt ausgestiegen – pannen-sei-dank; schnell verbotener fischfanganteil sichern; und ein schnelles-8tung-pic, pssstt…….

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SAFARI

Endlich!! Safari! Typisch wie im Bilderbuch? Ganz und gar nicht!!!

Wir treffen uns am Vorabend im Greenpark. Diesmal ist es eine Wassermelone, welcher der verkiffte Freiflügler gleich anfänglich auf den Tisch legt – sowie ein Tütchen Marihuana. Yooo baby, peeaccee baby, your right baby, griiins… Eir schnitzen gleich die Melone und sticheln seine Gegenwart, das Rauchzeug ist irgendwann wohin verschwunden. Ein gmögiger Dr. med. Elias gesellt sich zu uns. Ha, das unendliche ernste Fachgespräch zwischen Tom und diesem, dem Farmer und dem Arzt. Sie debattieren über die gemeinsamen Krankheiten, Symptome und Medikamente bei Kuh und Mensch, perfektes Cinema!!

Dann, frühmorgens, aufhellend. Jetzt zitterzitter… nein, kalt ist es nicht, aber gespannt: Umar steht tatsächlich pünktlich bereit! „Twende, gehen wir“!! Die gewaltige Musikbass-Anlage lässt alle Köpfe nach uns umdrehen und Menschen mittanzen. Es sind 130 Kilometer bis zum Ndabaka Gate, Serengeti Nationalpark. Wieder neue Bilder von Landschaften und Dörfern und Städtchen, ich geniesse relaxt in Ferienstimmung. Im Serengetipark müssen wir obligatorisch einen angestellten Rancher einsteigen lassen. Mir gefällt der (zu) junge Mann nicht. Er ist mir für sein Alter schon zu laschig dick (pardon), und Infos kriege ich auch keine, wenn ich nicht gezielt frage. Sein vorher abgemachtes und bezahltes Guidehonorar hat der nicht verdient. Aber Hauptsache, ich bin endlich hier in der Serengeti – darauf gibts doch gleich ein erstes geteiltes Büschen Heinnecken (überteuertes Touristenbier, das andere gabs nicht zu kaufen)!!

Ich geniesse den Fahrtwind auf der Rücklehne sitzend. Das Autodach und die seitlichen Fenster haben wir weggerollt. Wenn es jetzt ernsthaft würde, wir hätten keine Verkriech-möglichkeiten. Das wären tolle Schlagzeilen, so à la „typisch diese naiven Touristen“…

Aber wir gehören zu den glücklich Gesegneten, gleich dreimal begegnen wir Löwenmännchen. Einmal hechelnd mit seiner Wife am Baum ruhend, einmal kurlig auf dem Rücken schlafend alle vier Riesenpfötchen von sich gestreckt und einmal stolz seelenruhig auf alleinigem Spazier-gang.
Giraffen, Elefanten, Affen, Zebra- und Büffelherden, mehr als weniger von fern und unzählige, wunderschön vielfältige metallen glitzerne Vögel begegnen uns.
An meinem Ohr summt es giftig, klingt wie Bienen! Bitte nicht, Mary hatte letzte Woche morgens einen ungebetenen Schwarm im Haus. Wieder Glück gehabt, keine Bienen. Aber autsch, diese Viecher stechen auch, und das ganz schön unsanft schmerzhaft oft: Tse-Tse-Fliegen-Alarm – die Überträger der Schlafkrankheit! Einander befreiend „verprügelnd“ schlenkern wir weiter!
Dann die Nilpferde im seichten Wasser, dicht-an-dicht, eine Fontaine am anderen, und giftig dampfend; für mich siehts aus, als würden die endless in die Höhe scheissen, stinken tuts auch entsprechend – macht aber trotzdem Spass.

Sonst zur Natur: wunderprächtig die skelettartigen und die scheintoten, die grünen, gelben und braunen Bäume und das silberne Steppengras. Und gut sitzt Umar selber am Steuer. Ehrlich gesagt, die Strassen sind so schotterschlecht, Umar selber hat seine liebe Mühe. Des öfteren kann er nur noch das Lenkrad los- und das Vehikel selber ins Lot schlittern lassen. Und natürlich löst sich da was hinten rechts am Reifen! Ist eh längst Lunchtime – aber bitte nicht bei einer der überteuerten Touristenstätten. Weiter weg, neben der Garage , finden wir ein einfaches Restaurant. Ich verstehe zwar nicht, was für einen Vogel ich gerade esse, aber er schmeckt superlecker. Das Auto wird hochgehievt zwischenzeitlich repariert. Auf meinem Verdauungspaziergang werde ich zurückgepfiffen: Pardon, ich stehe schon auf dem Möglichen-Speiseplangebiet der wilden Tiere – die sollen nur kommen!! So, der „geflickte“ Reifen sollte halten und wir geniessen weiter. Umwegige Strässchen dann Richtung Ausgang, es müssen alle Besucher um sieben Uhr aus dem Park sein. Was? Warum stoppen wir? Wieder der Reifen? Nein, was dann, habe ich ein Tier verpasst? Nein, nächste Panne. Was? Unser Vehikel hat kein Kühlwasser mehr, wie das? Es halten genügend maschinenkundige Driver an und geben uns all ihr Trinkwasser. Aber das werde nicht lange reichen, die Wanne habe ein Loch! Und hey, wieso hat der folgende Rancher so zufällig frische Eier bei sich? Aufgeschlagen ins Kühlwasser und das Leck ist gestopft – auch wir benützen Stopf-Eier, oder Frauen?

Und dann, wie anfangs versprochen, guided uns der Rancher zu einer nahen City, wo er günstige Lodges weiss. Ha, in der Nähe – afrikanische Längenverhältnisse! Über eineinhalb Stunden ins Nowhere. Sandsturmnochmal, ich wollte zu den nächtlichen Serengetigeräuchen einschlafen. Versprochen gibt es ausserhalb dafür genügend Wasser, denn merke, keine Safari in weissem T-Shirt… Angekommen. Und jetzt? Der Mister Super weiss gar kein Guesthouse und die Strassen scheinen ihm auch unbekannt. Umar und Tom missfällt der Rancher zu-nehmends. Tom war selber vor fünfzehn Jahren mal hier in Mugumu. In dem damaligen Restaurant erkennt man ihn wieder und benennt die junge Marina, einen Stammgast, uns zu führen. Die ist herrlich, ununterbrochen nennt sie mich eine Pendeza, eine Schönheit. Sie streichelt mir dabei mein zerfilztes drahtiges Windstaubhaar und so nebenbei den Rancher. Dieser findet um diese Zeit keinen Bus mehr zurück. So muss er mit Umar eines der Doppelzimmer für 10‘000 tsh (sieben chf) teilen. Das missfällt ihm übelst, er erwartet ein Einzelzimmer, Pech gehabt.

Mein Lachanfall, als ich duschen kann und sehe, was für eine Beauty ich bin: Ich hab ein richtiges Negerköpflein – nicht von der Sonne, nein, vom Sarafistaub und meine raben-schwarzen, fetten, dicken Augenbrauen – ich muss mit Charlie Chaplin verwandt sein! Das Diner lass ich mir aufs Zimmer bringen. Die Jungs fahren das Auto zu einer Garage. Zurück lacht Tom; Die heiratswillige Marina sei aufgetaucht und habe den Rancher aufs aufdring-lichste umgarnt. Solange, bis sich dieser flüchtend in einer Toilette einschliesst. Er weigert sich, wieder herauszukommen. Umar gibt Marina schlussendlich Geld, damit sie verschwindet.

Safari Tag eins, ich schlafe herrlich.

Am Morgen motzt der Rancher lautstark, er sei es nicht gewohnt, in solchen billigen Lodges zu hausen. Weiss ich doch, denke ich, du kamst nur mit, weil du dir (Mzungu-)Luxus erhoffst. Nicht mein Problem. Und dann willst du noch bis nach Musoma mitfahren, wegen den besseren Busverbindungen. Na logisch, du wartest nur auf eine Gelegenheit, mir dein „finanzielles Dilemma“ unter die Nase zu reiben. Das wird dir nicht gelingen, nicht als Schmarotzer.
Doch vor der Weiterreise machen Tom und ich einen Zweiermorgenspaziergang. Er zeigt mir den Markt, wunderschön eigentümlich drappierte Ware. Beim Durchschlendern durch Mugumu empfinde ich die Athmosphäre allerdings eher negativ, die Menschen als un-freundlich, fast etwas feindseelig die Blicke – auch Tom getraut sich unüblicherweise nicht, ein paar Fotos zu machen. Nichtsdestotrotz setzen wir uns bei einem ruhigen Platz hin und machen es uns frühstücksgemütlich. Tom erzählt mir, dass er damals erfuhr, wie die Polizei in dieser Region ganz schön beschäftigt sei – die Menschen hier (oder der Tribe?) töten gerne etwas allzuschnell, gegenseitig und auch sich selber. Aber bitte, das hast du vor fünfzehn Jahren gehört – hoffen wir, dass sich dies zwischenzeitlich geändert hat! Nach der Supu, den Chapatis und frischem Fruchtsaft geht er in das ihm bekannte Restaurant auf Toilette und kommt recht gräulich zurück. Während seiner Singlesitzung hat er ein Gespräch aus dem Gang mithören können. „Eine junge Frau, Stammgast in diesem Restaurant, ist gestern erstochen worden! Spätnachts fand das unoffensichtliche Eifersuchtsdrama statt. Der möchte-gern Lover hat seiner Angebeteten die Pulsadern und den Unterleib aufgeschlitzt und sich danach selbst getötet!“ Tom geht’s gar nicht gut. Klar, er zählt nach dem gestrigen Treffen mit Marina eins und eins zusammen…
Als wir zurücklaufen, guck mal da: Die Besagte winkt uns lachend zu – „Glück gehabt“!

Dann weiss diesmal Tom etwas, die Abürzung nach Musoma. Was die Afrikaner alles wissen. Holprige gelbe Naturstrassen, unendliche ausgedorrte Steppenfelder, unzählige hellgefärbte Kuhherden und ruhende Rundhäuschen-Gehöfe. Wir durchflirren mucksmäuschenstill stehende Luft, absolute Ruhe in die weiten Ebenen. Von Father George geliehen, lese ich gerade das schöne Buch „Die Kinder des Regenmachers“ von Aniceti Kitereza (welcher hier am Lake Victoria auf der Insel Ukerewe lebte). In dem „Roman“ erlebt man viele für uns nicht nachvollziehbare Traditionen, beispielsweise zum geteilten Herdenhüten, über ausgiebiges Bierbrauprozedere oder auch zu Anstandsregeln. Was wir hier passieren, ich spüre und erlebe ganz deutlich die heute noch gelebten Bilder. Und tatsächlich vor Augen geführt wie im Buch kriege ich einen Hochzeitszug. Die Braut und deren Brautführerin schlendern in festlichem Partnerlook der Strasse entlang. Eskotiert sind sie von Freundinnen und Frauen, welche die persönlichen Habseligkeiten der Braut auf den Köpfen tragen. Sie singen und tanzen dabei. Sie begleiten die zukünftige Gemahlin in ihr zukünftiges Dorf zu ihrem zukünftigen Gatten. So ein Marsch kann schon mal Tage dauern. Danke Tom, ich geniesse den Shortcut. Aber eben, dieser ist wirklich nur in der Distanz so zu benennen, diese wunderherrlichen hundertzwei Kilometer beanspruchen knappe vier Stunden Fahrt!

Gegen Musoma wird die Szenerie wieder etwas lebendiger. Auch der Rancher. Tom sitzt gerade vorne neben Umar. Des Führers letzte Chance. Er mault mir zu, er habe zuwenig Geld für seine Bemühungen gekriegt, er will seine wertvolle Zeit bezahlt haben, sozusagen „Verdienstausfall“. Zudem müssen wir das Ticket für den Retourbus übernehmen, wegen uns ist er hier in Musoma, statt mit Touristen im Park. Ich schaue an, er mich nicht. Gelassen und freundlich meine ich „Wie bitte? Polepole, sachte. Meine Meinung? Ausser dem ortskundigen guiden durch die Serengetistrassen warst du in keiner Weise hilfreich. Sogar falsche Versprechungen hast du gemacht, du Mugumu-Kenner. Du konntest mit uns zwei Tage lang gratis essen und schlafen. Du wolltest hierher mitreisen, das war das deine Entscheidung. Für Folgekosten musst du selber aufkommen. Gell, schon noch blöd. Da hat das mit deiner Touristen-Einschätzung wohl nicht geklappt, meine mit dir ganz klar schon. Pole sana, äxgüsi für dich und „Adieu“!“. Umar lädt ihn emotional kochend geladen, wortlos mit einer einzigen Handbewegung, an der Busstation aus. Und tschüss.

Neben der klaren sachlichen Abfertigung mit dem Boy werde ich langsam lebendiger. Ich bin es nicht gewohnt, den ganzen Tag über statt Wasser Bierchen zu schlürfen. Aber es schmeckt mir heute wirklich ausgezeichnet. Nur, so ein, zwei, drei Bierchen klingt nicht nach ungewöhnlich viel, doch in Tanzania sind das alles Halbliterflaschen!

Wir schauen uns etwas in Musoma um. Das Städtchen macht einen friedlichen Eindruck, man wirft nicht gross Blicke auf uns. Bis auf ein paar Kinder, welche gleich nach Geld fragen, Musoma ist mehr Touristen frequentiert. Wir entscheiden uns für ein Restaurant. Während dem entspannten warten, lasse ich mir vor Ort die Fussnägel glanzlackieren – der Anstreicher zittert schon ein bisschen, bin ich auch die erste Mzungu, die er bedient. Nett ist, dass er dabei vergisst, den Preis anzupassen und ich die normalen 30 Rappen bezahle…

Tembo-Beach! Der graue Elephanten-Strand ist wirklich lang geschwungen und wunderschön. Da bleiben wir. Neben der teuren Touristenlodge, welche hauptsächlich von Adventure-Camping-Gruppen aus Kenya besucht wird, finden wir das Silversand-Inn, saubere Zimmer für 8000 Tsh. Inzwischen Nacht, genehmigen wir uns am Strand ein weiteres Bierchen. Tom fragt mich nach seinem Mobile. Ne, das hast du, ne, da lag nichts mehr auf dem Tisch, ne, es klingelt ins Leere, he, ee, da wird abgedrückt! Tom fährt mit Umar zurück in die Stadt.

Alleine im Dunkeln eingemummelt geniesse ich vollends, endless die bauschenden Wellen-geräusche. Wieder einmal mehr sehe ich ein Bild vor mir: Einen riesen Globus mit einer ein-zigen winzigen Markierung, einem Stecknädelchen drauf: ich! Eigentlich unbedeutend klein, bin ich hier gerade mutterseelenallein gross und das ganz seelig und völlig stimmig so. Was mir jetzt einzig lustmässig zum absoluten Glücksgefühl fehlt, ist ein Knusperbiskuit mit meiner afrikanischen Nutella-Eigenkreation (Schokopulver/Puderzucker/Butter/Wasser).

Ein Zwischencall von Umar, der Telefondieb ist bekannt, die Restaurantcrew lässt ihn holen. Nach einer ganzen langen Weile klingelts freudig. Tom hat sein Mobile zurückgekriegt (für „nur“ 5000 Tsh). Auch zurückgekriegt habe ich dann meine beiden Jungs um drei Uhr nachts – sturzhagelbesoffen!! Elias, Polizeihauptkommandant von Musoma liefert sie mir breit grinsend vor meiner Zimmertür ab. Sie sassen die ganze Zeit bei seiner Truppe und nachdem er so viel von mir gehört habe – ich will ja nicht wissen was alles – wolle er mich doch persönlich kennenlernen.

Um sieben ist meine persönliche Tagwache. Wie befreiend schön ist das Schwimmen im unendlichen Seebecken und wie mystisch glitzernd die Seifenblasern bei meinem Morgenbad im Lake Victoria. Dem schüchternen Knastbruder gebe ich gerne meine Seife danach. Auch dieser spindeldürre Häftling ist nicht zu übersehen, auch er trägt den knallorangen Overall. Über die Bedingungen in Gefängnissen habe ich einige persönliche Geschichten gehört; da erstaunt es nicht, dass die ausgemergelten Körper während ihrer Sklavenarbeiten ausserhalb der Zellen jeden Passanten nach Etwasem anhauen.

Rechts und links am Strand, je zwanzig Meter von meiner Schwimmoase entfernt, ziehen gegen zwanzig Fischer ihr Riesennetz ein. Die schweissglänzende Manneskraft wird durch eigene A-Capella-Laute warara-warara-warara, tsss-tssss-tsss, gschsch-gschsch-gsch ange-trieben – mir gefällt der sonore Klang. Der bereits eingeholte Netzteil wird fortlaufend wieder in ein Boot gehievt. Ich kapiere langsam, dass die beiden Gruppen am gleichen Strang ziehen. Je näher der Fang kommt, desto näher rücken die Hälften aneinander. Ich erfahre, dass dieses Prozedere in Tanzania illegal ist. Solange keine Polizei auftaucht, bleibt mehr Fischfang für die Krampfer übrig. Ein Seilzug dauert über sechs Stunden! Tom ist inzwischen auch wieder auf festen Beinen und schrubbt unsere Safari-verstaubten Kleider im See sauber, die hängen jetzt gerade über einem (spinnwebigen) Maschendrathzaun. Der Fischertrag dann erscheint mir eher sehr klein entgegen den risikohaften Bemühungen. Flink verteilt und verkauft sind die sechs mittelgrossen Nilbarsche, die sieben Grossen, die etwas vierzig Samakis und ein halbereimervoller Kleinfische. Und schwupps, verdächtige Spuren sind verwischt, die Boote losgepaddelt und alle und alles mysteriös verschwunden.

Tom hat zwei mittelgrosse Fische ergattert. Ich darf Grillfisch zum Brunch wünschen. Die Guesthousefrauen kochen fantastisch und ich mag meinen neuen Rufnamen, mit welchem Tom mich ohne zu überlegen vorstellte: „Boke“ Honig.

Boke und Sweety, das passt. Die Dreijährige kam vor vier Tagen mit ins Silversand. Die Mutter sucht Arbeit; ihr Mann vertarb letzte Woche. Ich lache mit Sweety, sie quitscht mit meinen Balloons und gemeinsam gluggsen wir im See. Tom kümmert sich rührend um die Kleine; Waisenkinder, sein Ding. Dann ein Spielabend. Umar will Dart, Tom Billard – ich hab genug (Wasser-)„Sport“ für heute und hänge einfach rum. Nächtens kommen wir drei am Polisi-Stammbeizli vorbei und müssen uns natürlich dazusetzen. Elias ist wirklich ein genter Typ – Masai-Abstammung – ich fühl mich ganz wohl in dieser Gesetzeshüterrunde. Auch mit David habe ich spannende Gespräche. Er ist Detektiv, sein Thema: häusliche Gewalt. Anzeigepflicht wäre eigentlich gesetzlich vorgeschrieben, aber eben „eigentlich“. Ich höre ein paar ganz unschöne, schaurige Geschichten – solche gibts leider auf der ganzen Welt. Tom wird offensichtlich eifersüchtig, sogar zusehends eifersüchtiger. Bitte, es ist rein sachliches Inte-resse, es besteht keine Gefahr, dass man sich Nahe kommen könnte, geschweige denn möchte. Und für David ist es das erste Mal, dass eine Frau „neutral“ mit ihm die lastende Arbeit diskutiert. Schon wieder drei Uhr, diesmal sind wir alle „nur“ angeheitert.

Ausschlafen, schwimmen, im See „duschen“ – ich könnte mich daran gewöhnen! Das Gefühl ist ungewohnt tief berührend intim. Nicht intim im sexuellen Sinn, tief in bestärkendem Gefühl in einem In-sich-selber-autentisch-schliessenden-Kreis zu sein – warum, wieso und diese Wortwahl, ist einfach so. Ich könnte wohl einfach im Wasser stehen bleiben, währenddem die Welt um mich herum untergeht. Und natürlich habe ich nichts dagegen, als wir gemeinsam wie selbstverständlich beschliessen, noch eine Nacht Musoma anzuhängen. Ich gehe etwas das Städtchen erkundigen und kriege am Nachmittag Schlüssel in die Hand gedrückt. Tom will mir eine Brücke über den Mara-River zeigen, die ist gleich ums Eck. Hier um die Ecke, vierzig Kilometer sind ja wirklich nicht weit. Der breite Fluss ist von Elephantengras (Papyrus) romantisch umgarnt, das Wasser glitzert tief dunkelblau in der schwindenden Nachmittagssonne. Die Brücke ist betonstählern. Wie bei Flughäfen und Fähren sind keine Fotos erlaubt. Warum kriege ich nicht raus. Auch nicht, wie man die Auto-Alarmanlage ab-stellt! Oh Gott, schrecklich! Es scheint ein vorgegebenes Aufschliess-Ritualsystem zu geben. Kenn ich nicht! Umar, das hättest du ruhig sagen dürfen; anrufen können wir ihn nicht, Mobils sind off. Was auch immer wir versuchen, nichts passt. Melodisch wie die Anlage, lachen die zusammengelaufenen nackten Knaben mit. Und als ich das System nach etwa zwanig langen Minuten ungewollter Musik knacke, weiss ich nicht mehr wie. Ich habe soeben ein zweites Mal geschwitzt, seit ich in Tanzania bin! Ich bin geschafft und brauche eine Stärkung. Der Dorfäl-teste Cowboy Josef guided uns zu einem Village auf dem Hügel. Dort lassen wir Toms Mobile etwas aufladen, während wir runterkommend köstliche Bananen schmatzend die stille felsenartige Kulisse auf uns wirken lassen – ohne dass ich natürlich das diesmal unabgeschlossene Auto nicht aus den Augen lasse.

Ein ruhiger Spätabend, frühes schlafen und ein letztes morgendliches Mzungu-Seebad vor der Rückreise in meine City. Diesmal herrlich sprudelnd mit zehn nackten kleineren und halbwüchsigen Jungs. Die Seife reicht für alle, einer nach dem andern bitte, es wird nicht gezankt. Das Wasser schäumt herrlich vom Herumzappeln und der schwindenen Seife. Einige Knaben hängen am Strand rum mit Ballons; nein, nicht mit meinen, sondern mit länglich durchsichtigen – direkter ausgedrückt: mit aufgeblasenen Kondomen…

Im Silversand stosse ich dazu, als der angestellte Aufseher mit Tom über das Zimmerrückgeld streitet. Ach so, wir haben die Frühstückseier nicht bezahlt, deswegen. Aber nein, keiner von uns hat hier gefrühstückt, auch wenn du dir das auf deinem Papierfetzen hingekritzelt hast. Ich nehme eher an, sie haben dir geschmeckt. Und dann ist noch Toms Buschmesser nicht auffindbar. Sein Heiligtum, ohne das verbringt er keine ruhigen Nächte. Er hat es gestern dem Kerl ausgeliehen. Dieser hat für diese frühe Stunde schon eine schöne Spiritusfahne. Das Wort Polisi verstehe ich noch, der Rest dem Ton nach auch. Tom wird beleidigend, der Aufseher laut. Ja, er sei bereit für die Polizei, nur zu! Doch nachdem Tom aus dem Areal gestampft ist, bekniet er mich, nicht die Polisi zu rufen. Das habe nicht ich in der Hand. Zudem, um Tom zurückzurufen, habe ich kein geladenes Mobile. Wie mir diese zeitlose Stille gefällt.

Mein letzter Telefonempfang war ein Just-a-short-hello-call von Mary. Auf meine Frage hin, ob sie nun mit ihrer Mutter (mit der sie nach Dar-es-Salam gereist ist) oder mit ihrer Tochter (die in Dar lebt) in Zanzibar am Strand sei, kichert sie: mit ihrem Ehemann! Schön, nach fünfzehn Jahren „Trennung“ findet wieder („endlich“ für beide Seiten von Angehörigen) eine langsame Annäherung statt. Ich schreib ihr noch ne sms, dass sie sich unbedingt feiern lassen soll, schliesslich ist sie eine grossartige Frau. Sie smiled dankend zurück. Nur das mit dem Celebrieren gestalte sich schwierig, hat doch der Ramadan gerade begonnen (Zanzibar ist hauptsächlich muslimisch).

Der Aufseher läuft unruhig hin- und her. Ich verziehe mich mit Toms Krimi an mein Beach-plätzchen. Umar liest an anderem Ende Sportzeitungen. Irgendwann wieder friedlich kom-plett, finden wir das Plätzchen halt schon friedlich. Und oh Wunder, wo kommt denn das Buschmesser so plötzlich her? Und schuldig sind wir auch nichts mehr? Also alles wieder in Ordnung? Gut, da bleiben wir doch gleich noch einen weiteren Relaxtag! Ob wir dann even-tuell in Butiama anhalten, wo Madaraka Nyerere auf mich wartet, werden wir sehen. That’s Africa!

Früh aufstehen, diesmal die wirklich letzte Seedusche geniessen, in der Stadt Geisslein-Suppe frühstücken und los, heimwärts fahren um elf Uhr. Umar ist wieder übernächtigt. Kein Wunder nach drei Nächten heimlich deftigsten „Flirtens“ – immerhin immer mit der gleichen Lady. Details zu den gehörten männlichen Brunstgeräuschen? Die waren wirklich sehr amüsant und laut und… die behalte ich für mich, pssssst.

Kurz ausserhalb Musoma bestehe ich darauf, das Steuer zu übernehmen. Umar nickt halb-wegs ein. Zuerst sträubt er sich – Männer. Aber dann geniesst er die Fahrt auf dem Rücksitz. Seine Komplimente über meinen „perfekten“ Fahrstil bekomme ich indirekt über Tom zu hö-ren. Eine Mzungu am Steuer; offensichtlich bin ich wieder mal sehr auffällig: männliche Dorfbewohner lachen erstaunt, Kinder schreien mir nach und die weiblichen Marktfrauen unterwegs rufen neugierig und anerkennend aus! Kein Stop in Butiama, nur ein paar Pausen, um uns und das Auto zu füllen beziehungsweise zu leeren. Ab dieser Gegend wird es wieder steiniger, felsiger, rockiger. Einfach Klasse, die ungetümen Formationen hoch oben, fantasievoll naturgemeiselt und auch die würdevoll Rundlichen am Strassenrand.

Wir erreichen die Rock-City Mwanza gegen fünf Uhr. Dort treffen wir Toms kenyanischen Freund Daniel Dunkan. Er arbeitet im Midlandhotel. Die aussichtsprächtige Dachterrasse hat es uns angetan. Wir trinken Guiness/Cola, besprechen die eventuell gemeinsame nächste Reise nach Bukoba und stossen darauf an, dass gerade Umar mich bei meinem Unfall „aufgelesen“ hat. Apropos, mein Knie vermag inzwischen wieder meldelos stundenlang das Gaspedal zu drücken, reklamiert dafür tagsdarauf umso länger. Und ich habe mich fürs Touristen-Info-Center umentschieden: ich will nun die andere Toilettenvariante. Zuerst fand ich die flachen Asiatischen am Boden besser, die sind viel einfacher zu reinigen. Doch mit einem unbeugsamen, kraftlosen Knie ist das manchmal (vorallem bei glitschig beschaffenem Boden) kein einfaches Unterfangen. So hab ich mir auch das eine oder andere Mal selber ans Bein gepinkelt, smile.

Gerade geniessen wir aus der Höhe einen knallorangenen Sonnenuntergang. Wir können uns doch zum krönenden Abschluss einen Besuch im Casino gönnen? Ndyio, Ja! Anfangs sind wir alleine und ich kann den drei Herren das Roulette in Ruhe zeigen. Dann trudelt die wirkliche Klientel ein: ausschliesslich Inder, ein paar Chinesen. Die setzen emotions- und wahllos haufenweise Stapel gewichtiger Chips auf den Spieltisch. Beim Verlieren und auch beim seltenen Gewinnen, die verziehen keine Miene. Wo ist denn da der Spass? Wir spielen mit den kleinsten 500er-Chips (35 Rp). Unsere Häufchen schrumpfen, wachsen, schrumpfen, wachsen. Natürlich langen wir einander unprofessionel in die Reihen und verteilen grinsend die gewonnenen Scheibchen. Und da Frau weiss, wann genug ist, mache ich nach meinem 10‘000-Einsatz (7chf), mit einer Auszahlung von 130‘000 Schluss.

Safariresumée: geniesse unzählige Landscapes, trinke reichlich Bier (schon zu früher Mor-genstunde), mache noch mehr Lebenserfahrungen, schaffe aus zwei geplanten Tage fünf und schliesse diese fast immer um drei Uhr morgens ab… wie alt bin ich eigentlich…?

Daheim in Kiseke PPF soll ein anderer angenehmer Wind wehen. Ich bin wieder Hausfrau und Tippse und erfreue mich an den Safari-Fotos – Karibu tena, tutoanana mara ngine, will-kommen auf ein anderes Mal. Ich geniesse den nachmittäglichen Chai mit der Nachbarin Jadida und ihrem Baby Mary – auch Negerchen wachsen so schnell wie die unsrigen Knirpschen. Einzig kopfschüttelnd diese Woche: Tom ist in der Stadt, so kann ich die am Morgen von ihm gewaschenen Kleider nochmals einseifen. Es scheint bald ein letzter neuer Nachbar einzuziehen. Der hat unangemeldet das Gras-Rundums-Haus niedergebrannt. Der dicke, lange Buschfeuerrauch lässt die feuchten Kleider nicht mehr wirklich nach Seife riechen.

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war echt lustig und interessant, all die verschiedenen „kostüme“. hier bin ich mit einem nicht-gewinner, aber was solls, hauptsache es hat spass gemacht und mzungu hat ein stöffchen als geschenk gekriegt; werd mir wieder was schneidern lassen – hehe, bierreklame am arsch…

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warten…

Warten. Zuerst auf Mary. Sie will doch erst zwei Stunden später in die Stadt. Es ist erst neun Uhr früh. Wir haben also keine Eile. Nach meiner Kamera wollen wir Ausschau halten und entdeckerisch einen Bummeltag machen. Umar meldet sich, wir haben uns wohl über zwei Wochen nicht gesehen. Ich sage Mary ab, wir nehmen ein anderes „Teksi“. Wir warten im Greenpark auf Umar. Er ist noch an der Autowäsche. Umar gehört zur Gattung Mann, dem das Auto wichtiger scheint als seine Familie – oder es ist der Ersatz, weil seine Frau und Töchterchen nicht hier sind. Wir warten auf ihn – zwei Stunden. Runter in die Stadt. Auf dem Weg lunchen wir genüsslich am Fischmarkt. Und wieder warten. Umar erinnert sich, er muss nur kurz wo vorbeischauen – zwei Stunden! Auch wenn man sich ans Nichtstun gewöhnt, dieser Tag hätte ich fast ersatzlos streichen können, echt unkonstruktiv. Doch fast nur ersatzlos: Tom fragt auf dem Weg in die Stadt, ob ich Umars Auto fahren kann. „Ich kann doch alles driven, was denkt ihr denn?!“ Aprupt hält Umar mitten im Mittagsverkehr an. Der Mitsubishi turbo weiss-nicht-was ist ja kürzer als der Totoya hilux-speed-irgendwas von Mary, aber dieses Vehicul ist vorne stosstangenverbreitert nicht leicht abzuschätzen. Aber frech wie ich bin, nachdem ich mir das Kupplungssystem in Erinnerung gerufen habe, fahre ich freudig und gut los und umher. Im Nachhinein aufgefallen, finde ich es erstaunlich, wie einfach ich das allererstemal linkshändig einen manuell geschalteten Wagen gefahren bin. Doch das Beste, unbewusster „Test bestanden“: Umar wird den Wagen in den Service bringen und ich darf den haben – für meine eigene Serengetisafari – drei Tage lang!

Noch nicht ein Uhr morgens tanzanischer Zeitrechnung (also seven a.m.). Es poltert an der Türe. Nein, schon wieder! Diesmal Josephine…?! Nein. Aber bei Gertrud und Shem sind das auch keine guten News, nicht um diese Tageszeit. Die Tante ist verstorben, sie möchte in ihr Dorf reisen – also die Tante ist ja schon auf Reise, ich meine natürlich Gertrud will hin, eh, nicht zur Tante, sondern ins Dorf. Sie wollten im Village einen Sack Reis umsetzen, finden aber so kurzfristig keinen Käufer. Sie drucksen lange herum, bis sie mich für den Kauf fragen. Pole sana, Reis habe ich übergenug. Wie wärs mit etwas Geld, getrauen sie sich. Im Dorf werde dann eine Ziege verkauft, um mir das Geliehene zurückzugeben. Auch wenn ich wollte, ihr Beiden, ich habe nichts Bares im Haus, nur noch 5000 Ths. Mit diesen umgerechnet vier Schweizerfranken müssen wir nicht nur den heutigen Tag durchschlagen, sondern unvor-hersehbar länger, wenn die Bancomaten weiterhin streiken. Ich vertröste sie auf den Abend, wir probieren es heute in die Stadt.
Sie zotteln nach dem Chai wieder ab. Gertruds Verkäufe laufen gut, nur ist es eine afrikanische Gewohnheit, das Geld gleich wieder auszugeben. Man weiss ja nie, ob man Morgen noch lebt! Obwohl ich erfreut zugeben muss, dass diese Familie verhältnismässig sehr sorgsam haushaltet. Ich habe eine Scheissfreude, als ich die Mädchen in den neuen Farben sehe – nun besitzen sie schon zwei Kleidchen und auch Aloyce trägt stolz ein neues T-Shirt. Baby-Mary hat Miniklimperarmreifchen bekommen. Das neue weisse Kleid von Gertrud ist eher ein aus-rangiertes Hochzeitskleid! Aber eben, jeder trägt was ihm gefällt und das ist gut so. Das erarbeitete Wenn-Restgeld wird fortlaufend in den Hausbau gesteckt. Father Obadia hat sich beruhigt – weil er mich zufälligerweise eine längere Weile nicht mehr mit Gertrud und Shem angetroffen hat. Trotzdem wird so schnell wie möglich weitergebaut; was gut hinhaut. Die neuste Verzögerung ist drittverschuldet: der Fundi verunfallt beim Ziegelaufschichten – ich bemerkte schon bei Sonnenaufgang, seine Augen scheinen noch oder schon wieder etwas sehr glasig.

Father Obadia hat sich mal hinterrücks bei Tom einzuschleichen versucht. Er bgegnete ihm vor dem Filmhäuschen. Er wolle uns doch nur beschützen, blablabla. Tom lässt sich einlullen – ich nicht. Scheinbar hat Gertrud jemanden (für Obadia „Fremdes“) eine Nacht bei sich schlafen lassen. Auf das Reklamieren von Obadia behauptet sie „Es war Andrea“. Gertruds Familie nützt uns aus, meint Obadia. Dreh je nach Wind, wie du willst, du armer Kerl. Für mich geht das in Ordnung; überlege lieber, warum Gertrud und Shem so was sagen. Ich finde es toll, dass eine Familie, die gar nichts und noch weniger hat, jemanden eine Nacht Zuflucht gewährt – aus welchen Gründen auch immer. Father Obadia getraut sich nicht mehr, ausgedehnte Worte mit mir auszutauschen. Ich bleibe anständig fröhlichhöflich, als wäre nichts passiert und als wüsste ich von nichts. Doch er grüsst mich fortan nur noch in fluchtbereiter Zurückhaltung.

Heute auf jeden Fall müssen Gertrud und Shem vorerst ohne Finanzspritze packen gehen. Tom und ich machen uns auf in die Stadt, Print-Time – die Postkarten wollen und sollen end-lich gedruckt werden!

Aber Himmelherrgott, langsam macht mich das mit den Postkarten wütend. Die neue Ma-schine, wochenlang in Dar-es-Salam hängengeblieben, ist endlich da, endlich installiert, endlich druckbereit. Doch hat Elder festgestellt, dass es (noch) nicht möglich ist, das Bild mit der Schreibseite zu kombinieren. Was nicht genau klappt, verstehe ich nicht, dafür rattert der Inder zu schnell in seinem nasalen englisch. Zudem brauche er jetzt eine andere Art von For-matvorlagen. Elder gibt mir zwei Druckeradressen, damit ich wenigstens, wenn auch in schlechter Qualität, Vorzeige-Exemplare für die Hotelanfragen habe. Konkret, wir beide kommen dieses Jahr nicht mehr ins Geschäft. Er druckt mir aber meine nächsten dreihundert Fotos zum Überall-rum-Verteilen zum Einstandspreis und wie selbstverständlich auf Pump!!

Die Wartezeit vertreiben wir uns mit einer Pausencoke im Strassenrestaurant vor der Dru-ckerei. Hinter mir nehme ich „Mzungu“ wahr, drehe mich aber nicht um. Da prustet Tom los und übersetzt „Kaka – Bruder – schau mal die Haare der Mzungu. Schau mal genau hin. Die sind ja tatsächlich echt! Ich dachte immer, alle Weissen tragen Perücken, weil sie gar keine Haare haben..!“

Dann macht Tom einen weiteren Versuch, meine alte Kamera zu finden. Ich geh inzwischen Marktluft schnuppern. Wer jumpt da auf mich zu? Gertrud & Co.! Sie suchen soeben einen Daladala für Gertrud und Baby Maria. Shem wird später ins heimatliche Dorf folgen. Ich tue es gleich, dem Grüppchen folgen und Baby Maria tragen. Da hör ich plötzlich hinter mir unsere Agnes lauthals auf einen jungen Mann eindreschen – und das ganz schön unsanft, auaaa! Der Pupertierende hat versucht, meinen seitlichen Taschenreissverschluss zu öffnen – wär nichts drin gewesen… aber so was, einfach eine Frau mit Baby auszunutzen!!

Spontanes Rendevous mit Umar, im Greenpark. Diesmal ist es Tom, der uns zwei Stunden warten lässt. So ist es nunmal, für den illegalen Kautabak muss man schon manchmal weit gehen – auch wenn Tom jedesmal glauben macht, er sei sonstwie aufgehalten worden… Greenpark, da wo ich nach zwei Monaten Tanzania zwei Meter nebenan weggefegt wurde. Greenpark, da wo ich überhaupt meine ersten zwei Nächte in Tanzania verbracht habe und fast verhungert bin. Ich bemerke mal zu Tom „Eigentlich schade, das Greenpark ist das bisher einzige Guesthouse in ganz Kiseke. Wenn das Restaurant nur was taugen würde, könnte es echt gut laufen“. Und nachdem auch Tom vom Service und der Kochkunst alles andere als überzeugt ist, hatte er vorletzte Woche bei der Besitzerin reklamiert. Wahrscheinlich „zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort“. Als hätte sie darauf gewartet, hat sie die Küche standepede vor seinen Augen verschlossen! Und jetzt? Die Suppe letzte Woche war echt lecker (auch wenn man sich nicht vorstellen kann , dass Kuhfüsse dies sein können) und gestern mein geröstetes Beef, einfach delikat. Heute nervt uns das nervöse Huhn, also lassen wir es kurzum zubereiten – das schmeckt sogar butterzart. Tom und Umar spielen danach Billard. Ich pauke mit dem 22-jährigen Babu auf seinen Wunsch französisch – ab sofort heisst er nur noch „Chéri Babu“. Da trudeln zwei Freigeister rein, welche schon genug Geistreiches getrunken haben. „Eeehh yoo baby… peace baby… give me to smoke!“ Cool grinsend schlendern sie locker in der Hüfte mit den Glimmstängeln davon. Wieder zu viert am Tisch kommt der eine und schenkt mir eine Ananas. Ich smile zurück „Was willst du dafür?“ Umar und Tom meinen vollen Ernstes, ich solle das Geschenk ruhig annehmen. Später fangen die Herren meine Frage an zu verstehen. Der Kerl kommt x-mal wegen den Zigis und dem Kon-yagi. Wusst ichs doch.

Gegen Mitternacht machen wir uns vom grünen auf in den villenen Park. Spontane Idee zum Abtanzen. Morgen hab ich zwar grosses Tipp-Programm. Tom will nicht ohne mich gehen, darum muss er mir zusagen, dass zwei/drei Stunden genügen.

Nächtliches Villpark, tanzen – ist schon ein Weilchen her. Doch, tut gut, den Body zu Bongo Flava zu shaken. Auch mein Knie hat fast nichts dagegen. Aus den Augenwinkeln nehme ich wahr, wie schnell die Konyagi-Flaschen geleert werden. Gut so, die Zeit verstreicht nämlich schnell, es wird langsam spät. Weil ich müde bin, vermelde ich, dass ich im Auto warte, Tom bringt mich hin. Wie unzählige Wagen haben wir am Kirumba-Stadion all die unten einge-pflanzten, kleinen Autowerkstätten blockiert.
Ich weiss nicht, wielange ich geschlafen habe, irgendwann weckt mich Tom und „Ja bitte, hole Umar, wir sollten gehen“. Ich bin also wieder wach und warte, und warte, und warte…. sch… und warte…das gibts nicht, Tom hat mich vergessen! Ich geh ihn holen. Oh nein, das Auto ist abgeschlossen! Ich rumple an der Türe und die Autoalarmanlage gibt sogleich laut den Senf dazu. Ich rumple weiter und weiter, melodisch begleitet in der tiefen Nacht. Es taucht niemand auf. Kein Wunder, sind alle am Feiern. Und Bewohner? Die gibt es doch nicht im 200-Meter-Radius. Soll ich einfach weiterschlafen? Nein, geht nicht, mir ist nämlich inzwischen saukalt. Dann erinnere ich mich glorreich kopfschüttelnd, dass die kleinen Fenster handkurbelmässig zu bedienen sind. Ich möchte mich nicht gesehen habe, wie ich da super ungelenk und super fluchend rausgeklettert bin!

Und super klar finde ich meine beiden Jungs fröhlich am weiterdiskutieren und weitertrinken und super klar haben sie kein Gehör für die versprochene Heimkehr. Mir gerade schnurzegal, ich stakse davon. Ich muss mich zuerst abreagieren, bevor ich eine Teksi anhalten werde. Schnurgerade stampfe ich der dunklen Hauptstrasse entlang (gut weiss ich, dass sie steckengerade ist, denn, ich nachtblindes Huhn muss doch zugeben, dass ich diese nicht wirklich sehe). Nach einer Weile überholt mich Tom und will mir eine Standpauke halten. Er sei mir nachgekommen und keiner der Taxis vor dem Villapark konnte bestätigen, dass die Mzungu nach Hause gefahren wird. Pah, jetzt markier bloss nicht den Besorgten, ich werde gerade wieder hässig. Er bugsiert mich in einen Wagen, ich schmolle – ungewohnt für ihn ohne Worte. Zuhause explodiere ich dann eine Zusatzrunde – immer noch still. Ich entdecke, dass Tom eine halbgefüllte Flasche Konyaki vorne im Hosenbund mitträgt. Die entreiss ich und schmeiss sie an seinem Kopf vorbei an die Wand – Knall! Das hat gutgetan! Tom sagt nichts mehr. Ich sowieso nicht. Ich gehe schlafen. Tief und fest und gut.

Tief und fest und gut. Tom sagt am nächsten Morgen immer noch nichts, der ist wieder mal weg. Diesmal immerhin mit einer Nachricht. Quer über dem Plattenboden steht „I luv u, but luv should n hurt. I go 4 that u can b happy“. Irgendwie berührts mich gerade nicht, der meldet sich bestimmt wieder. Tom hat seine „Knürze“. Er muss ja nichts ausdiskutieren, aber manchmal wärs schon hilfreich in Etwa zu wissen, was in ihm abgeht. Gegen Mittag schon flattern short-messages rein. Ich werde aus seinen eigenphilsophischen Texten nicht schlau. Er bittet mich schlussendlich, ihn im Majani abzuholen – ganz was Neues. Klammernd erzählt er mir, wie er die ganze Nacht brütend vor unserem Haus gesessen habe. Sein Kopf rattert, er findet keinen Stop-Knopf – (und auch keine Tabletten mehr, die waren schon weg beim ersten Mal…). Bei Morgengrauen geht er ins Majani um zu schlafen – ich hab nichts davon bemerkt. Diesmal kann er auch damit nicht umgehen, dass ich die Schlafzimmertüre vor ihm zugeknallt habe. Das hat scheinbar mehr gesagt als Gesagtes. Er weiss nicht, was er mit seiner Zukunft anfangen, wie er mit der Vergangenheit umgehen soll. Ich auch nicht. Aber tu was! Ich erfahre wieder ein, zwei Episoden aus seinem Leben. Und immer wieder das Statemant, dass sein Herz den unschuldigen Waisenkindern gehört. Ich bin einmal mehr Hin- & Hergerissen – fallen lassen, laufen lassen, fliessen lassen, antun lassen… Das Puzzle ist für mich immer noch sehr lückenhaft. Drängen tu ich nicht, sonst macht er dicht. Doch langsam scheint er zu merken, dass sich Öffnen befreien kann, oder könnte. Ja, du darfst wieder nach Hause kommen. Aber wenn du nicht mir sprichst, kann ich dir nicht helfen. Und deinen mir unbekannten Kampf musst du sowieso selber (zu Ende) führen.

Doch zuerst fahren wir in die entgegengesetzte Richtung in den Stadtkern hinein, von Chérie Babu stolz eskotiert. Der hat nämlich gerade keinen Job beziehungsweise kein Arbeitsmittel mehr: Pikipiki-Unfall. Ihn als Fahrer hat es hingehauen – gottlob gästelos. Ich hab den Jungs wiederholt gepredigt: Drink OR Drive… Ganz schön verschrammt ist er. Ja, er will einen weniger gefährlichen Verdienst finden „Schliesslich will ich mal heiraten. Meine Frau soll nicht um mich Angst haben müssen. Und zudem brauche ich mehr Geld, damit meine Kinder dann zur Schule gehen können.“. Mein charming Chérie ist auch so jemand, der, wenn er anderswo hineingeboren wäre und die Chancen gehabt hätte, momentan wohl ein gerngesehener Student wäre. Erstaunlicherweise hält er seinen Vorsatz und trinkt praktisch keinen Alkohol mehr. Ich wünsch ihm viel Glück.
Im Kirumba-Stadion findet heute der jährliche Lake Zone Traditional Dance Contest statt, gesponsert von Balimi-Bier. Es ist echt schön und kurlig und interessant, all die verschiedenen traditionellen “Kostüme” mit Glöckchen und Federn geschmückt. Es wird getrommelt, getrillert, getanzt, gejauchzt, geschauspielert und gesungen. Der bekannte Solosänger kommt natürlich auf die einzige Mzungu zu, schnultzt ins Mikro und nimmt mich schwingend zwischen seine Hüfte. Tom kennt wieder einige Leute und so kriege ich ein Geschenk. Ein Stück Kitenge in den Balimi-Farben rot/gelb mit grossen und kleinen Balimi-Logos drauf. Ich werd mir damit was schneidern lassen – Bierreklame am Arsch.

Im Shooters nebenan ist abends Safari-Promotion – Bierkonkurrenz von Balimi. Da ist eine Bühne aufgebaut und der Moderator stellt den Hochgekommenen Fragen. Komisches Zeugs. Tom weiss eine Quizfrage und er strahlt, ein T-Shirt mehr, in Safari-Blau. Ich hab weder die Frage noch die richtige Antwort kapiert „Was macht ein Frosch auf dem Bauch sitzend, schläft er oder ist er wach oder …?“ – Toms Antwort darauf… sorry, ich muss passen, hab den Sinn echt nicht verstanden. Mein handgeschriebenes Los ist eine Niete, trotzdem trinke ich das Bier, welches überteuert als Glücklos verkauft wird. Meine Stammmarke bleibt aber das Castel Milk Stout – ein dunkles Bier!

Ein rundum lachendes Gesicht gesellt sich zu uns (zu mir). Ein Typ, der mit seinem Securi-tygeschäft statt mit einer Frau verheiratet ist. Hat der Spass mit uns! Mann, ist dein Ober-schenkel nicht knütscheblau, so oft wie du lachend drauf haust? Jaja, ganz interessant, deine Verkaufsstrategie, danke für die Warnkleber, asante für Einladung ins Ofisi, ja ich kritisiere gerne deinen Kundenvertrag und sorry, siehst du ulkig aus, mit der Aktentasche aus-schwinglich tanzend. Viel mit – und nicht über – lachen wir mit der Comedy-Group, welche gerade privat im Ausgang ist; Dünne, Lange, Dicke, Kurze, Liliputs, Runde, Kahle, Schielende – ein wirklich ganz illustres Trüppchen. Wöchentlich im Fernsehen sieht man ihre Sketchs. Hoffentlich finden wir einen Termin, um bei deren Aufnahmen mit dabei zu sein. Sie hätten auch ein paar Szenen, bei denen sie eine Mzungu gebrauchen könnten, karibu!

Serengeti heisst auch einer der Biermarken. Jetzt steht aber das Original auf dem Plan: Der Serengeti-Nationalpark! Zuerst ist fraglich, ob mit Umars Vehikel oder einem von TANAPA (Tanzanian Nationalparks). Denn Tom traf vor ein paar Tagen auf einen Angestellten, der uns unbedingt einen „offiziellen“ Geländewagen zuhalten will (würde heissen, einfach so ein 450-Dollar-Geschenk – … Beziehungen). Aber wir entscheiden uns für Umar. Denn dieser wiederum hat entschieden, dass er mir doch keine alleinige Safarifahrt zutraut und selber fahren wird. Und jeder der mitkommt, hilft mir Kosten sparen, hehee.

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Legal! Endlich habe ich sie dann doch, nach vier Monaten „fighten“: meine Aufenthaltsbe-willigung Permition C – ab dem 2.8.2010! Ich Nachhinein kommt mir der Gedanke, ob es vielleicht einen Tick schneller gegangen wäre, wenn ich in die Tasche gegriffen hätte. Aber hat ja auch genützt, jeden Tag vor Ort zu nerven… Ich war also nur vier Wochen Sans-Papier. Und ausgerechnet Buchhalterin haben sie als meinen Job ausgesucht – das mir weltfremdeste Gebiet; dafür dürfte ich bis November bleiben – mal sehen 😉

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