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Archive for Februar 2011

…und heute…?

…und heute….?

Seit vier Monaten bin ich zurück. Manchmal ärgert es mich, wie die Zeit vergeht, dies aber etwas “non-sence” wenn ich vergleiche, was ich in Tanzania in sechs Monaten alles erreichen und umsetzen konnte.

Mein erstes Telefonat mit Peter war schön. Sein erster Satz war “Ich vermisse dein Lachen”. Eva erzählte mir, dass sie bei mehreren Sitzungen gedacht hat, da würde Andrea jetzt smilen, das würde sie jetzt so tun oder so und so das Gespräch galant führen oder beenden, sie vermisst meinen positiven fröhlichen Power. Auch in den Mails von Mary steht immer, dass ihnen meine Lacher fehlen. Und ehrlich gesagt, mit fehlen diese auch – die Meinen und die der Mitmenschen! So karg das Leben in Afrika sein kann, so einfachst ihr herzliches Gemüt ist, so ehrlich tiefer können unbeschwerte Momente sein und man freut sich und schmunzelt und lacht über die kleinsten Dinge. Mit meinem manchmal “naiven” Reden und meinem scheinbar bändesprechenden Gesichtsausdruck bei der Untermalung von Ideen oder dem Erzählen einer Geschichte, habe ich viele Freunde und Bekannte zum Lachen gebracht und sie dadurch wiederum mich. Doch, diese Momente vermisse ich sehr. Was ich bewahren konnte und immer noch kann, ist die noch geduldigere Gelassenheit. Wenn nicht heute, dann morgen – natürlich ohne lazy zu werden, ohne meine bekannte Zuverlässigkeit zu verlieren.

News aus Ostafrika? Oh ja!
In Mwanza hat Rouven, der Volontär aus Deutschland, seine Talente unter Beweis gestellt und hauptsächlich zur Vollendung des MTIC mitgewirkt. Eva selber zieht sich etwas zurück, um ihre private Ideen umzusetzen. Sie hat endlich ein passendes Haus gefunden. Ihre Projekte werde ich verraten, wenn sie denn öffentlichkeitstauglich sind. Silale, ihren Bodyguard hat sie im Dezember entlassen müssen. Er hat sich je länger je unangebrachter als “Hausherrn” aufgespielt, anstelle seiner Aufgaben gerecht zu werden. Er habe in Pasiansi eine Anstellung in einem Shop bekommen, wo er aber scheinbar seines Gebahrens wegen nicht sehr beliebt war. Eva weiss die Gründe nicht, will sie auch nicht erfahren: Nach zwei Wochen wurde er in der Nacht brutalst zusammengeschlagen, zwei Tage später starb er im Spital an den Verletzungen.

An Weihnachten habe ich Mary erreicht – im Hintergrund die Grossfamilie auf aufjauchzen, hat mich ganz schön getschudderet. Marys Mutter, ihr Vater, der Neffe Joshua, Jadida, Theo und Pura mit Babyboy rufen mir Grüsse zu. Marys Neuigkeiten nehme ich nur halb auf, ich geniesse zu sehr, ihre Stimme zu hören, mit ihr zu Lachen. Ganz stolz ist sie, dass sie es in November mit Madaraka geschafft hat, auf den Kilimanjaro zu steigen. Wie gerne wäre ich dabei gewesen – vielleicht nächstes Jahr.

Bei Father George habe ich auch jedesmal schon ein Riesensmile auf dem Gesicht, weil ich weiss, wie ich ihm beim Abheben gleich reinreden muss. Bei unbekannten Anrufern hat er nämlich die Eigenart, ohne hinzuhören nons-stop wiederholt auf suhaeli zu sagen “Father George aus Nyegezi spricht hier. Hier ist Father George aus Nyegezi…”. Und glücklich lächelnd hänge ich jeweils wieder auf, wenn er mir zusagt, mich in seine Gebete einzuschliessen.

Und mein Tom? Peter ging zuerst nach Bukoba zurück, wo er eine 12köpfige Gruppe durch Rubondo-Island führte. Zwei Wochen später gab es keine Arbeit mehr. Ich hatte zwischenzeitlich mit William und Mary Kontakt und meinte, es sei nicht fair, ihn nur so sporadisch kommen zu lassen, da müssten sie ihm schon auch die Reisespesen hier- und dorthin übernehmen. William bestätigte mir dann eine “angemessene” Bezahlung für diese Zeit. Peter hat sich damit in Kenia neues Küchenequipement besorgt, bald wird er das Restaurant in seinem Village Masaba eröffnen. Einmal noch war er zurück in Tanzania. Er war krank, glaubte der Diagnose im Spital Migori nicht und fuhr die 7-h-Busfahrt in mein Hindu-Spital in Mwanza-City – die Diagnose war die selbe! Auf dem Rückweg übernachtete er in Magu, von wo er sich entschloss, ein Fahrrad zu nehmen. Am Mara River, dort wo über die stählerne Brücke das Fotografieren verboten ist, eehm wäre, dort wurde er überfallen und dabei ziemlich verletzt. Alles, Mobile, Kamera, Kleider, Schuhe sind weg. Er ging nach Musoma retour, wo ihn unser Polizeikommandant Elias drei Tage lang aufpäppelte und ihm neue Kleider und Passierschein besorgte. Als ich ihn fragte, wie er denn um Himmelhergottswillen auf die Idee kommt, diese ganze Strecke zu radeln. Seine Antwort? “Oh Andrea, es war sooooo schön!! Diese Landschaft, diese Stille, diese Stärke. Mein Gott, ich hab noch nie sowas genossen…” Typisch, genau so sind sie, schlussendlich steht das Schöne im Vordergrund. Der Ausschlag zu seinem Reisemittel war ein gesehener Unfall zweier Busse mit Toten und Verletzten.

Zu meiner Frage, wie es ihm denn wegen seinem „Schicksal“ gehe. Wieder mein geliebtes „Oh Andrea…“. Nein, er brauche keinen Alkohol mehr, er habe eingesehen, dass er auch ohne diesen einschlafen kann. Und nein, er habe auch keine Rachegelüste mehr, das sei nicht in seiner Hand. Er wisse, dass er ein guter Mensch sei und nun auch ein gutes Leben führen will. „Und, oh Andrea, kein Alkohol mehr, ich bin richtig slim geworden und fühle mich wohl in meiner Haut“.

Weitere „Nachwehen“ bei mir? Neben dem Vermissen und vor-Ort-tun möchten… Jeden Monat schmunzle ich, wenn ich meine Frauenwoche kriege. Mugang’a sei dank (?), seit den Besuchen bei der lieben Hexe habe ich zum ersten Mal in meinem Leben meine Regel regelregelregelmässig ;-). Meine Schläfen und Knienarben verheilen auch schön, nur nach einer durchtanzten Nacht spüre ich das Knie. Ansonsten vermisse ich das Bier nicht (hab noch kein Einziges wieder getrunken), dafür aber den feinen Fisch – wenigstens Ugali hab ich gefunden, juhee… und das werd ich heute Abend beim Betrachten meines Fotobuches geniessen!!!

Kwaheri & Bahati, Andrea

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